Theater

Der Kirschgarten


Von der Liebe enttäuscht und um ihr ganzes Geld gebracht kehrt die Gutsbesitzerin Ranjewskaja mit ihrer Familie und der Dienerschaft nach Russland zurück.

Nach dem turbulenten Leben in Paris hofft sie dort auf Ruhe und ein Gefühl von Heimat. Aber die Schulden sind zu hoch, sie muss ihr Haus und vor allem den geliebten Kirschgarten versteigern.

Ein gestörtes Verhältnis zur Wirklichkeit kann beängstigend oder komisch wirken. Ein Gefühl von Hilflosigkeit ebenfalls. Beides ist heute an der Tagesordnung. Allgemeine Verunsicherung liegt in der Luft und damit einhergehend der Wunsch nach Bewahrung des Vertrauten. Auch wenn die Welt sich ändert, soll alles eigentlich so bleiben, wie es immer war.

Das letzte Stück Tschechows, „Der Kirschgarten“, ist ein Meisterwerk dieser Menschen- und Weltsicht. Die ProtagonistInnen sind, wie zumeist bei Tschechow, verarmte Landadelige in der russischen Provinz und versprühen mit ihren Vorstellungen vom Leben und in ihrem gleichzeitigen Fernsein von Gestaltungsmöglichkeiten in der realen Welt die exemplarische Tragikomik des Festklammerns an einer Vergangenheit, die sich in Auflösung befindet.

Arturas Valudskis, der vor drei Jahren schon mit seiner feinsinnigen Tschechow-Interpretation von „Die Möwe“ im TAG reüssierte, lässt nun den "Kirschgarten" über die Bühne gehen. Valudskis’ Zugriff auf den Stoff ist ein radikaler. Er reduziert die Handlung und die Dialoge aufs Wesentliche. Dabei hat der russophone Litauer ein besonders sensibles Gehör für den tschechowschen Witz. Bei aller Melancholie und Verlorenheit der Figuren wird Tschechows Spartenbezeichnung „Komödie“ von ihm mehr als ernst genommen. Ein humorvoll-poetischer Abend über die Gesellschaft in einer Zeit des Übergangs.

Es spielen: Jens Claßen, Michaela Kaspar, Raphael Nicholas, Karola Niederhuber, Lisa Schrammel und Georg Schubert.


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