Theater

Der kaukasische Kreidekreis


Der kaukasische Kreidekreis ist eines der schönsten, reichhaltigsten und von der Form her anspruchvollsten Stücke Brechts. Ein Gastspiel des Berliner Ensembles.

Es ist ein wichtiges Stück, weil es eine Utopie widerspruchsvoll in Gang setzt mit einem Rechtsbegriff, der an den Bedürfnissen der Menschen orientiert ist.

Das Berliner Ensemble zu Gast in Wien: Freuen Sie sich auf ein Wiedersehen mit dem Regisseur Michael Thalheimer, dessen fulminante Inszenierung Die Perser im Akademietheater zu sehen ist, und auf die Ausnahmeschauspielerin Stefanie Reinsperger, die nun in Berlin für Furore sorgt.

Die Handlung im Kreidekreis ist modellhaft klar und dialektisch schön: Bei einer Revolution lässt die fliehende Gouverneursfrau ihr Baby zurück. Ihre Magd Grusche findet das Kind und überlegt eine Nacht lang, ob sie als alleinstehende Frau im Krieg ein kleines Kind retten kann. Sie entscheidet sich für das Kind. Auf der Flucht gerät sie in immer größer werdende Schwierigkeiten an deren Ende sie vor ein Gericht gestellt wird, da die Gouverneursfrau ihr Kind zurückhaben will. Die Zeiten haben sich wieder geändert, jetzt ist das Kind der Erbe eines großen Vermögens.

Doch kurz bevor die alte Herrschaft die Zügel wieder fest im Griff hat, gibt es eine kurze Zeit der Anarchie, in der der Richter Azdak herrscht. Seine Richtersprüche sind gefürchtet bei den Reichen und ein Segen für die Armen. So erfindet er für den Fall, dass die biologische aber herzlose Mutter ihr Kind zurückfordert, den salomonischen Kreidekreis neu.

Die Frage, die hier verhandelt wird, ist von ebenso großer Schlichtheit wie politischer Eindringlichkeit: Wem gehört die Welt? So ist es kein Zufall, dass Bertolt Brecht, als das Berliner Ensemble 1954 endlich das Theater am Schiffbauerdamm bespielen darf, als erstes den Kaukasischen Kreidekreis inszeniert.


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