Theater

Der jüngste Tag


Horváths Der jüngste Tag ist existentieller, tiefgründiger, vielschichtiger als manche seiner früheren Werke; die Frage nach Schuld und Sühne ist nicht so einfach zu beantworten, wie es zu Beginn des Stückes scheint. Und wenn am Ende der Realismus der Szenerie gesprengt wird, und die Toten zu Hudetz sprechen, erhält das Werk einen mystischen, für Horváths Schaffen völlig neuen Ton.

Thomas Hudetz, Stationsvorsteher eines kleinen Bahnhofs, ist ein pflichttreuer Beamter. Als er – halb scherzend, halb streitend – mit der Wirtstochter Anna flirtet, vergisst er, rechtzeitig ein Signal zu setzen, was weitreichende Folgen hat: Der durchfahrende Expresszug kollidiert mit einem Güterzug, 18 Tote und viele Verletzte sind zu beklagen. In den folgenden kriminalpolizeilichen Untersuchungen beteuert Hudetz immer wieder seine Unschuld: „Ich kann nur sagen, ich habe noch nie ein Signal versäumt!“ Auch Anna versichert, dass das Signal rechtzeitig gegeben wurde. Nur Hudetz‘ Frau, die den flüchtigen Kuss der beiden beobachtet hatte, klagt ihn an – doch niemand glaubt ihr, da ihre krankhafte Eifersucht schon Stadtgespräch ist. Im Gerichtsprozess wird Hudetz freigesprochen, seine Frau aber trifft der Bann des ganzen Ortes. Vier Monate geht das gut, bis Anna wie auch Hudetz zunehmend von ihrer Schuld geplagt werden. Doch keiner weiß einen Weg zurück.

Schauspiel von Ödön von Horváth
Regie Thomas Krauß
Bühne & Kostüme Ursula Beutler


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