Pop / Rock

Delta Punk


Kaum sind die heißen Sommertage vorüber, wird allen Ortes die Herbstsaison eröffnet. Und während sich im Wiener Prater Städter als Bergbauern verkleidet in bierseliger Hingabe ins Delirium volkstümeln, gehen wir es mit dem Deltapunk auch wieder an.

Punk-Veteran Phil Shoenfelt erweist uns diesmal die Ehre seines Besuchs und dann freuen wir uns außerdem auch noch ganz besonders auf Captain Knife, der besten Rockandirgendwas-Band zwischen hier und irgendwo anders.

PHIL SHOENFELT ist ein Veteran der Punk- und Post-Punk Szene in London, Manchester und New York.

Begeistert durch die Londoner Punk-Explosion 1976-77 zog Shoenfelt nach New York, wo er mit verschiedenen Downtown Bands wie The Nothing und Disturbed Furniture arbeitete. 1981 gründete er zusammen mit Barry “DJ Scratchy” Myers (Bass), Marcia Schofield (Keyboards) und Paul Garisto (Drums), die Post-Punk Band KHMER ROUGE. DJ Scratchy begleitete The Clash auf deren ersten drei USA-Touren, Marcia spielte Keyboards für The Fall und Paul spielte Schlagzeug für Psychedelic Furs und Iggy Pop. Ein weiterer Drummer von Khmer Rouge war der Künstler Claus Castenskiold, der unter anderem Plattencover für The Gun Club und Kid Congo Powers gestaltete.

Der erste Auftritt von Khmer Rouge war 1981 beim White Columns Noise Festival, das von Thurston Moore (Sonic Youth) organisiert wurde. Danach spielte die Band in Clubs wie dem CBGBs, The Peppermint Lounge, Danceteria und The Ritz. Als Support haben sie für Bands wie Alan Vega, The Gun Club, Tom Verlaine, Nico und The Clash bei Konzerten an der Ostküste der USA gespielt.

Khmer Rouge wurden unter anderem vom legendären Fotografen Nat Finkelstein gemanagt, der für seine Bücher “The Factory Years” und “Edie” berühmt ist. Finkelstein arbeitete zusammen mit Andy Warhol am “Andy Warhol’s Index” und war verantwortlich für die meisten Schwarz/Weiß-Fotografien von Velvet Underground. Für Khmer Rouge drehte er das Musikvideo zum Song “New Assassins”.

Phil kehrte 1984 nach London zurück. Mit Khmer Rouge spielte er noch zwei weitere Jahre und begleitete The Fall auf zwei Touren in England. Zusammen mit dem englischen Produzenten John Leckie nahm die Band noch weitere Songs auf und spielte regelmäßig in Londoner Clubs. 1986 lösten sich Khmer Rouge auf. Eine Doppel-CD, New York - London 1981-86, wurde 2004 veröffentlicht (Voiceprint).

Während der folgenden Jahre konzentrierte sich Shoenfelt darauf, neue Songs zu schreiben und Demos zu verschicken. Daraus resultierte 1989 seine erste Solo-12”-Single “Charlotte’s Room” / “The Long Goodbye”, die bei Mark E. Smith’s Label Cog Sinister erschien. Die Single wurde von Tony Cohen (bekannt für seine Arbeiten mit The Birthday Party und Nick Cave & The Bad Seeds), produziert.

Im folgenden Jahr veröffentlichte das britische Label Paperhouse Records Shoenfelts erstes Soloalbum Backwoods Crucifixion, 1993 folgte God Is the Other Face Of The Devil (Humbug Records). Während dieser Zeit spielte Shoenfelt in England Support-Konzerte für Crime & The City Solution und Nick Cave & The Bad Seeds.

Im Sommer 1994 tourte Shoenfelt zusammen mit Musikern von Tichá Dohoda in der Tschechischen Republik. Bereits ein Jahr darauf war Prag Phils neue Wahlheimat. Hier gründete er seine Band PHIL SHOENFELT & SOUTHERN CROSS mit Pavel Krtous (Bass), Jarda Kvasnicka (Drums) und Pavel Cingl (Violine). 2014 verließ Cingl die Band und wurde durch David Babka (Lead-Gitarre) ersetzt.

Mit Southern Cross hat Shoenfelt bis heute vier Studioalben aufgenommen: Blue Highway (1997), Dead Flowers For Alice (1999), Ecstatic (2002) und Paranoia.com (2010), sowie die EP Electric Garden (2003).

Zusammen mit den in Berlin ansässigen Australiern Bruno Adams und Chris Hughes (Once Upon A Time; Hugo Race & The True Spirit) gründete Shoenfelt FATAL SHORE. Die Band tourte durch Europa und wurde bald durch ihre intensiven Live-Shows und Sound-Improvisationen ein beliebter Act in der Berliner Clubszene. Fatal Shore veröffentlichten zwischen 1997 und 2007 drei CDs: The Fatal Shore (1997), Free Fall (2003) und Real World (2007).
2004 wurde bei Adams Magenkrebs diagnostiziert. Fatal Shore tourten weiter bis zu ihrem finalen Konzert im Juni 2008 im “Kino” in Ebensee, Österreich. Bruno Adams verstarb 2009 nach einem langen, tapferen Kampf; Shoenfelt und Hughes entschieden sich die Band aufzulösen. Die letzte CD Setting The Sails For El Dorado ist Bruno Adams gewidmet und wurde 2010 veröffentlicht.

Phil Shoenfelt arbeitete auch zusammen Nikki Sudden und spielte in dessen Band auf der Europa-Tour 1997 und 1998. Nach der zweiten Tour gingen Shoenfelt und Sudden in ein Berliner Studio und nahmen Golden Vanity (ein Album mit gemeinsam geschriebenen Songs) auf, das 2009 vom britischen Label Easy Action Records herausgebracht wurde.

Im November 2010 veröffentlichten Phil Shoenfelt & Southern Cross ihr viertes Studioalbum Paranoia.com (Easy Action Records). Mit diesem Album ist auch ein merklicher Wandel von atmosphärischem Indie-Rock zu einem härteren Rock-Sound hörbar. Das Album umfasst neun neue Songs und einer von James Williamson autorisierten Coverversion von Iggy Pop & The Stooges’ “Open Up And Bleed”. Das Gemälde, dass das Cover der CD ziert, stammt von Claus Castenskiold (ex-Khmer Rouge). Phil Shoenfelt & Southern Cross’ “Stupid Rock Star” ist neben Songs von Iggy & The Stooges, Bob Dylan, Alice Cooper, Patti Smith, Johnny Thunders und vielen weiteren auf der 2014er Compilation “Shark Infested Waters” zu finden.

2011 gründete Shoenfelt, zusammen mit dem Drummer Chris Hughes und dem Bassisten Dave Allen die neue Band DIM LOCATOR. Ihr Sound ist inspiriert von Krautrock-Bands der 1970er Jahre und basiertmehr auf Drone und Gitarrenloops als auf klassische Songstrukturen. Die erste (Online-)EP der Band war Immortalised (ein Tribut an den verstorbenen Rowland S. Howard). Zwei Stücke aus dieser EP “I Ate The Knife” / “Undone” erschienen auch als 7”-Single. 2013 folgte das Minialbum Wormhole mit vier neuen Stücken.
Ein weiteres Projekt von Phil Shoenfelt ist THE BRUCE WELLIE BAND. BWB spielen ausschließlich Coversongs von australischen Punk- und Postpunk-Bands wie The Scientists, Lubricated Goat, Grong Grong und Cosmic Psychos. 2012 nahm die Band ihr erstes Album Ozploited auf, das bisher noch nicht veröffentlicht wurde.

Neben seinen musikalischen Projekten ist Shoenfelt ein veröffentlichter Autor und Dichter. Bis dato sind fünf Bücher von ihm erschienen: Junkie Love (eine fiktionalisierte Autobiographie), The Green Hotel / Zelený Hotel (Songtexte und Gedichte), Magdalena - Buch 1 und 2 (eine Zusammenarbeit mit der Dichterin und Künstlerin Kateřína Piňosová) und Stripped - Buch 1 (der erste Teil einer Trilogie über die New Yorker Downtownszene in den späten 70er und frühen 80er Jahren). Kamikaze Skull, eine Sammlung von Gedichten, Fotografien und Illustrationen (in Zusammenarbeit mit der englischen Performancekünstlerin Sophia Disgrace) erschien 2014.

Junkie Love erschien zuerst in einer tschechischen Übersetzung als Feťácká Láska. Die englische Ausgabe wurde 2001 von Twisted Spoon Press publiziert und gewann im darauffolgenden Jahr den New Yorker Firecracker Alternative Book Award. Inzwischen ist Junkie Love auch in einer italienischen Übersetzung erhältlich (Fazi Editions). Ein Auszug aus Junkie Love in deutscher Sprache ist in Wolfgang Sternecks Anthologie Erotika - Drogen und Sexualität zu finden. 2006 wurde Junkie Love an Ebury Press/Random House lizensiert. Weitere Arbeiten von Shoenfeltsind in Literaturmagazinen wie Gargoyle, Prague Literary Review, Optimism, Hele, Blatt, Apple Of The Eye, Morgana, Vlna und Vlak erschienen.
Im Juni 2015 erschien Phil Shoenfelt & Southern Cross’ Live-CD The Bell Ringer - Live At The Shot Out Eye. Das Album wurde im Sommer 2014 zum 20jährigen Jubiläum der Band aufgenommen.

Im Mai 2016 erscheint der zweite Teil von Stripped - Underground Incognito.

PHIL SHOENFELT & SOUTHERN CROSS are:
Phil Shoenfelt vocals, electric guitar, acoustic guitar
David Babka lead guitar, pedal steel guitar
Pavel Krtous bass guitar, backing vocals
Jarda Kvasnicka drums, percussion

^CPTN KNIFE hat 16 arme und beine. er steht fest im leben, ihm kommt keiner aus. er mag auch das feuer und die knochen. das sieht man. dann tut es gleich nicht mehr so weh.

Der Sound von Captain Knife zeichnet sich primär durch die Abwesenheit des Rock?n?Roll Instruments Nr. 1, der Gitarre aus, was die 16 Arme und Beine von Captain Knife jedoch nicht davon abhält, in mehrstimmigen, repetativen Strukturen mehr an AC/DC als an Joseph Haydn zu erinnern.

Cello, Viola und Violine garniert mit Saxophon, Bass, Pauke und Schlagzeug sind die Ingredienzien des unverwechselbaren Stils des Teufelsorchesters. So ist ein Captain Knife Konzert eine eigensinnig, dreckig, düster treibende Berg- und Talfahrt die sich um Kettensägen, Blut, Beuschel und expressionistische Lyrik dreht. Postpunk mit Streichern und Bläsern. Tom Waits und Dmitry Shostakovich betrinken sich und finden eine Wergzeugkiste.

Preis: 8€


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