Vortrag

David Rubinger im Gespräch mit Hubert Christian Ehalt


„Mein Vater war ein sehr religiöser Mann. Streng koscher, Sabbat, nicht einmal einen Bleistift nahm er in die Hand. Den ganzen langen Tag hat er schwer gearbeitet – nur mit einer Mittagspause. Außer Freitag natürlich. Da wurde durchgearbeitet, so dass er früh nach Hause kommen konnte, um für den heiligen Sabbat sauber und fein gekleidet zu sein. – ,Ja aber das Kind muss doch zu Mittag essen‘, sagte sich Mama. Also ging sie jeden Freitagmittag gegenüber ins Wirtshaus und brachte mir in einem roten ‚Häferl‘ meine Leberknödelsuppe nach Hause. Die war aber nicht koscher!! Ich erinnere mich, dass Mama das rote Häferl unter dem Spülstein versteckt hielt. Ich glaube, mein Vater hat bis zu seinem Lebensende nichts von dieser tapferen Tat meiner Mutter gewusst. Jedenfalls, wann immer ich in Wien lande – das Menü meiner ersten Mahlzeit muss Leberknödelsuppe enthalten.“ – David Rubinger

Der 1924 in Wien geborene David Rubinger emigrierte 1938 mit einer Gruppe der zionistischen Jugend-bewegung „Kinder- und Jugend-Alijah“ nach Palästina. Bis 1942 lebte er in Palästina in einem Kibbuz, dann stellte er sich in den Dienst der jüdischen Brigade der britischen Armee und diente in Nordafrika, Malta, Italien, Deutschland und Belgien. 1946 kehrte Rubinger nach Palästina zurück, 1947 kämpfte er während des Palästinakriegs in Jerusalem. Nach dem Krieg eröffnete er in Jerusalem ein Fotostudio, 1952 wurde er als Fotojournalist für die Wochenzeitschrift „haOlam haZeh“ engagiert, 1954 für das meistgelesene israelische Abendblatt „Jedi’ot Acharonot“ und die „Jerusalem Post“. Ab 1954 arbeitete er 50 Jahre lang für das Time-Life Magazin. 1997 erhielt er für seine Arbeit als Fotojournalist den Israel-Preis im Bereich Kunst, Kultur und Medien.

Eine gemeinsame Veranstaltung der Wiener Vorlesungen und des Jüdischen Museums Wien.

Um Anmeldung wird gebeten, Tel.: 535 04 31-110 oder E-Mail: [email protected] Bitte beachten Sie, dass nur eine begrenzte Teilnehmerzahl möglich ist.

Einlass 18:45 Uhr

Eintritt frei


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