Klassik

David Helfgott, Klavier


Seine jahrzehntelange, persönliche Auseinandersetzung mit einem der großen Werke der Musikliteratur: Rachmaninows 3. Klavierkonzert, von ihm liebevoll nur Rach 3 genannt, über das Yefim Bronfman schon sagte: Man müsse schon ein bisschen verrückt sein, um dieses Werk zu spielen.

Als David Helfgott im Mai 2017 seinen 70sten Geburtstag feierte, hatte er eine bewegende Lebensgeschichte hinter sich. Die Kindheit geprägt durch einen ehrgeizigen Vater, der das Talent des Sohnes früh erkannte. Die Jugend, die in mit einem Stipendium nach England führte und wo man ihn endlich zwangfrei Klavierspielen ließ…
Seine jahrzehntelange, persönliche Auseinandersetzung mit einem der großen Werke der Musikliteratur: Rachmaninows 3. Klavierkonzert, von ihm liebevoll nur Rach 3 genannt, über das Yefim Bronfman schon sagte: Man müsse schon ein bisschen verrückt sein, um dieses Werk zu spielen. Über ein Jahrzehnt mit fortwährenden Aufenthalten in einer psychiatrischen Anstalten UND dann die Wende/die Befreiung durch seine Frau Gillian, die in ihm genau das sieht, was er ist und kann. Jemand, der sich durch sein Spiel den Menschen mitteilen muss. Ihr gelang es ihm die Öffentlichkeit neu zu erschließen und viele, viele Menschen danken ihr dafür.

Wollte man an David Helfgott und auch an sein Publikum normale Maßstäbe anlegen, hieße das beiden in keiner Weise gerecht zu werden. Oberstes Gebot ist die Liebe. Die Liebe zur Musik, die Liebe zu den Menschen, die Liebe zu dem Augenblick, da der eine durch sein Spiel die anderen berührt und das oftmals in ihrem tiefsten Inneren. Hier ist ein Musiker, der vielleicht über eine brillante Klaviertechnik verfügt, der zudem, aber in allererster Linie aus seiner Seele heraus spielt und gerade deshalb seine Berechtigung hat auf den großen Bühnen der Welt zu spielen. Zu oft hören wir nur noch emotionslose, perfekt dargebotene Musik. Nicht so bei Helfgott!

Publikumsliebling David Helfgott

Zwar ist er vielleicht etwas unberechenbarer als viele seiner Berufskollegen in Bezug auf in seine Leistungen auf der Bühne, aber mit Sicherheit immer außergewöhnlich. Würden sich mehr Musikerinnern und Musiker trauen aus dem zu engen Korsett der gegenwärtigen Interpretationskultur auszubrechen, dann dürfte sich das positiv auf die Zuschauerzahlen in klassischen Konzerten auswirken.

David Helfgott gastierte zuletzt 2017 mit dem Klavierkonzert Nr. 3 von Sergei Rachmaninow, in Begleitung der Stuttgarter Symphoniker, im Großen Saal des Wiener Musikvereins. Dieser war bis auf den letzten Stehplatz besetzt und das Publikum dankte ihm am Ende des Konzerts mit annähernd 16 Minuten stehenden Ovationen. So darf man besonders gespannt sein, wie diese, auf 2 Klaviere konzentrierte, Fassung berühren wird.
Zwar bringen 2 Klaviere nicht die reiche Klangpalette die ein großes Sinfonie Orchester auszudrücken vermag, aber umso interessanter wird es diese „verrückte“ Klavierwerk einmal in einer Fassung zu hören wo nichts, aber auch gar nichts von einem allzu massigen Orchesterklang übertönt wird. Die Hochachtung die man jedem Pianisten der sich an dieses gigantische Werk wagt – und nicht zuletzt, sicher damit auf die Bühne traut – wird noch steigen wenn man sich voll und ganz bewusst wird was für eine ungeheure Leistung hinter der Bewältigung dieses Klavierparts steht.

Den ersten Teil des Recitals wird David Helfgott alleine bestreiten und bei seinem „Rach 3“ wird er von Rhodri Clarke, der den Orchesterpart übernimmt, begleitet.


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