Ausstellung: Wissen

Das Wohnzimmer der Familie Glück


Das Wohnzimmer der Familie Glück ist ein ganz normales Wiener Wohnzimmer aus den 1920er-Jahren und auch wieder nicht: Denn während die meisten Möbel der Wiener Jüdinnen und Juden in den Jahren nach 1938 ‚arisiert‘ in Wien zurückblieben, erreichte die Wohnzimmer-Einrichtung der Familie Glück 1939 New York.

Das Zimmer erzählt die Geschichte einer jüdischen Kürschner-Familie, sowohl von ihrem Ankommen in Wien aus den nordöstlichen Kronländern um 1900, als auch von ihrer Flucht nach dem ‚Anschluss‘ Österreichs 1938 nach Frankreich und in die USA. Henry (Heinz) Glück, der die Zimmer-Einrichtung dem Jüdischen Museum Wien vor zwei Jahren schenkte, wurde 1934 in Wien geboren. Sein Vater Erwin konnte im Jahr 1938 von Wien aus mitsamt den Möbeln zunächst nach Paris fliehen. Wenig später erreichte er mit seinem Bruder New York, wo sie gemeinsam auf der 7th Avenue im Garment District wieder eine Kürschnerei betrieben. Henry und seiner Mutter Lily (geb. Greif) gelang dies nicht: Lily wurde nach einer Polizeirazzia in Nizza im August 1942 nach Auschwitz deportiert und ermordet. Henry konnte zunächst in einem Kloster untergebracht und ab 1943 bei einer katholischen Familie in Aix-en-Provence versteckt werden.

2012 wurde die Wohnung mit dem Wohnzimmer in New York aufgelassen, nachdem nicht nur Vater Erwin, sondern auch seine zweite Frau Herta Kleeblatt Glück gestorben war. Das Jüdische Museum Wien feiert die Rückkehr dieses Wiener Wohnzimmers aus New York mit einer sehr persönlichen Ausstellung, die nicht nur über das Wohnen, sondern auch über Flucht und Migration im 20. Jahrhundert erzählt.


Vergangene Termine