Oper · Theater

Das verratene Meer



Mit »Das verratene Meer« debütiert das Regieteam Jossi Wieler/Sergio Morabito an der Wiener Staatsoper.

Er‹ ist Seemann, Schiffsoffizier bei der japanischen Handelsmarine, ›sie‹ ist eine reiche, schöne, junge (wahrscheinlich Krieger-) Witwe. Die beiden verlieben sich natürlicher- und middle class gemäßer Weise ineinander. Er will deswegen sogar banaler Weise abmustern und sie heiraten – wer aber dagegen ist, intensiv und mit Hass und Verachtung und aus verschiedenen kindlich-pubertären Gründen, das ist Noboru, Madame Fusakos halbwüchsiger Sohn.« So umreißt Hans Werner Henze (1926–2012) die Ausgangssituation seiner 1990 uraufgeführten Oper »Das verratene Meer«.

Mit der Wahl des Sujets folgt Henze seiner Faszination für das Schaffen des enfant terrible der japanischen Nachkriegsliteratur Yukio Mishima (1925–1970), dessen Roman »Gogo no Eiko« (auf Deutsch erschienen unter dem Titel »Der Seemann, der die See verriet«) der Oper zugrunde liegt. Dieser Roman entwirft, wie nahezu alle Schöpfungen dieses Autors, ein klaustrophobes Szenarium der Ausweglosigkeit, in dem das Ringen um Normalität zum Scheitern verurteilt ist: Die Spannungen des Figurendreiecks werden im grauenhaften Lynchmord einer Jugendbande eskalieren.
Die nahezu gleichaltrigen Künstler Henze und Mishima teilten die Traumatisierung durch faschistische Systeme, deren Zusammenbruch bei beiden eine geradezu entfesselte künstlerische Produktion freisetzte, sie aber auch auf Extrempositionen des politischen Spektrums katapultierte, wie sie gegensätzlicher kaum denkbar sind: Henze trat der Kommunistischen Partei Italiens bei, Mishima wurde zum ultranationalistischen Revisionisten, der nach einem gescheiterten Putschversuch den rituellen japanischen Freitod starb.

Die neu ins Ensemble der Staatsoper eintretende Sopranistin Vera-Lotte Boecker hat gerade auch durch ihre Darstellung von Henze-Partien wie der Natalie im »Prinzen von Homburg« oder der Autonoe/Proserpina in den »Bassariden« international auf sich aufmerksam gemacht. Mit der Fusako erweitert sie nun die Reihe ihrer Henze-Heldinnen. Der in Wien etablierte dänische Bariton Bo Skovhus kehrt mit seinem Rollendebüt als Ryuji an den Mittelpunkt seines künstlerischen Wirkens zurück. Der junge kanadische Tenor Josh Lovell, seit 2019/20 Mitglied im Solistenensemble der Staatsoper, ist Noboru. Sein Hausdebüt gibt Counterton Kangmin Justin Kim als »Nummer Zwei«. Die Musikalische Leitung liegt in den Händen von Simone Young, die damit an ihr erfolgreiches Engagement für die musikalische Moderne im Haus am Ring anknüpft.


Aktuelle Termine

  • So., 13.12.2020

    19:00

    • Premiere
  • Di., 15.12.2020

    19:30
  • Fr., 18.12.2020

    19:30
  • Mo., 21.12.2020

    19:30