Theater

Das Kasperlspiel vom Meister Siebentot von Albert Drach



In seinem musikalischen Stück „Das Kasperlspiel vom Meister Siebentot“ beschreibt Albert Drach den Vorgang einer Machtergreifung in all seiner Banalität.

„Dieses Stück spielt immer und überall, besonders heute und hier“

Das Theater Nestroyhof – Hamakom widmet sich nun mit der Neuinszenierung dem außergewöhnlichen, österreichischen Dichter.

Drachs Kasperl ist eine leblose Schaubudenfigur, ein Wurstel aus Watte und Sägespänen, der statt eines Herzens einen Mechanismus im Leib trägt, der ihm ermöglicht, die Sprache des Volkes zu kopieren, zu verarbeiten und in manipulativer Art zurückzuspielen. Der Mechanismus wird nicht von allein in Gang gesetzt – die Liebe und das Blut des Volkes sind vonnöten.

Das Volk weigert sich dem Schaubudenbesitzer Geld für das Kasperltheater zu bezahlen, stellt aber bereitwillig sein Blut zur Verfügung. Der Wurstel erwacht also zum Leben und geht als Meister Siebentot in die Welt hinaus, begleitet von seiner Gefährtin Amanda, die das blinde Begehren des Volkes in seiner Reinform verkörpert.

Als Schneider mischt er sich unter die Menschen, sammelt Worte, die das Volk von sich gibt und spielt sie gezielt zurück, um mehr und mehr Macht zu erlangen. Jeder brave Bürger bekommt einen Kasperlhut, außer die für den Machterhalt notwendigen Opfer. Die selbsterschaffenen Riesen werden mit vereinten Kräften besiegt und Kasperl wird König. Ob die ganze Geschichte aber wirklich stattgefunden hat, darüber ist sich am Ende niemand so recht im Klaren. Dem Kasperl jedenfalls, hat es sehr viel Spaß gemacht.

Eine einfache Geschichte, eine böse Parabel. Zynisch und mit Unschuld erzählt Drach mit einer großen Portion schwarzem Humor dieses Märchen über den Aufstieg eines Populisten, über die Verweigerung der Erkenntnis und die Macht der Dummheit. Der eigentliche Protagonist des Stückes aber ist das Volk. Der Kasperl nur eine Reflexion, herbeigesehnt aus diffuser Angst, Unsicherheit und Langeweile.


Mit: Rainer Doppler, Aladin Gamian, Thomas Kamper, Sören Kneidl, Thomas Kolle, Matthias Mamedof, Eva Mayer, René Rebeiz, Markus Schramm und Roswitha Soukup

Regie: Ingrid Lang
Bühne: Vincent Mesnaritsch
Kostüm: Aleksandra Kica
Musik: Karl Stirner
Sounddesign: Sebastian Seidl
Liedbearbeitung Text: Peter Ahorner
Dramaturgische Beratung: Karl Baratta und Patrick Rothkegl
Regieassistenz: Lisa Niederwimmer

  • Di., 20.11.2018

    20:00
  • Mi., 21.11.2018

    20:00