Jazz

Das Kapital


Morgenröte! Wie schön, dass es im Jazz nicht nur Projekte gibt, sondern auch solide Bands, die über viele Jahre fest zusammenarbeiten und sich auf diese Weise ein unverwechselbares Vokabular erarbeiten. Zu diesen zuverlässigen Konstellationen gehört das Trio Das Kapital.

Saxofonist Daniel Erdmann ist Deutscher, Gitarrist Hasse Poulsen ist Däne und Drummer Edward Perraud ist Franzose, doch keiner der drei definiert sich über geografische oder nationale Attribute. Das Ding einfach als Europäisch zu deklarieren würde hingegen zu beliebig klingen, denn der Euro-Jazz läuft nur allzu oft auf den berüchtigten kleinsten gemeinsamen Nenner hinaus. Bei Das Kapital sind drei Vollblut-Individualisten am Werk, die sich nicht nur darauf verstehen, ihre persönlichen Stärken ins Spiel zu bringen, sondern sich im gemeinsamen individuellen Weglassen eine kollektive Subjektivität erspielen. Nach zwei Alben mit Songs von Hanns Eisler ( vor einigen Jahren bereits fulminant im Sägewerk präsentiert ) und einer klassenbewussten Weihnachts-CD verlegt sich Das Kapital diesmal auf Songs aus eigener Feder. Für Erdmann, Poulsen und Perraud ist es unverzichtbar, dass es in der Musik immer noch ein Moment von Basteln gibt. Es geht nicht um Perfektion, sondern darum, aus den gemeinsamen Empfindungen einen Raum zu erschaffen, der noch etwas offen lässt. Der Space ist da, der jeweilige Lichteinfall wird von den drei Musikern in jedem Song intuitiv erfühlt. Sie lassen sich nicht von den unendlichen Weiten der zeitgenössischen Produktionstechnik verführen, sondern bannen die Musik bis auf einen einzigen Gitarren-Overdub genauso auf die CD, wie sie im spielerischen Augenblick entsteht.

Daniel Erdmann
tenorsax
Hasse Poulsen
guitar
Edward Perraud
drums


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