Kunstausstellung

Das gezeichnete Ich


War früher das Porträt, vor allem das Selbstporträt, z. B. in der Renaissance noch selbstbewusster Ausdruck künstlerischer Souveränität und Individualität, so ist es im späten 20. Jahrhundert Ausdruck einer zunehmenden Verunsicherung geworden.

In unserer sich rastlos beschleunigenden, überökonomisierten Welt, in der das Individuum täglich an Bedeutung verliert, brechen Sicherheiten weg und werden Identitäten brüchig. Als verdichtetes Bild des Humanum zeigt das Gesicht die Außenansicht des „erschöpften Selbst“ (Alain Ehrenberg), das von Ängsten, Zwängen und lähmenden Gefühlen der Erschöpfung und Unzulänglichkeit geprägt ist. Was bedeutet es nun, wenn Künstler die Physiognomie ihres Gesichts aufbrechen und verzerren, den Blick auf das Dahinter und Darunter freigeben und sich selbst deformiert und in unheimlichen Mutationen begriffen darstellen? Geht es in diesem Arbeiten nur um subjektive Darstellungen des Individuums oder auch um eine Abbildung unserer Zeit?

Der „gezeichnete Mensch“ kündet nicht nur vom Medium seiner Darstellung, sondern auch von den Belastungen der Gegenwart, die ihre Spuren im Antlitz hinterlassen.

Teilnehmende Künstler/innen: GIOM / Guillaume Bruère, Günter Brus, Maria Lassnig, Thomas Palme, Mike Parr, Max Peintner, Walter Pichler, Chloe Piene, TOMAK, Nicola Tyson, Paloma Varga Weisz, Sandra Vásquez de la Horra


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