Theater

Das Gefunkel zu meinen Füßen


Er wurde sitzen gelassen und ist nicht mehr aufgestanden seitdem. Er verharrt auf einer Bank in der Pumpstraße in Paris. Es ist Nacht, es ist kalt, er hat Rotwein getrunken, der ihm den Magen verdreht.

Er sieht Lichter hinter Fenstern, Laternen im Fluss, den blauen Mond, Rücklichter eines Autos. Überall spiegelt sich das Bild dieser einen Frau. Und er kann sie doch nicht mehr fassen. Ob er tobt oder fleht. Sie ist weg. Seine Augen werden zu Stein, seine Tränen gefrorene Geschosse. Er ist der Mann, der seine Chance verpeilt hat, der seine Liebe verloren hat, der sich nicht mehr bewegen kann vor Schmerz.

Wann hat er nicht aufgepasst, als auf dem Förderband des Lebens sein Stück haltbare Liebe vorbeiglitt. Detailversessen bohrt er sich in Momente einstiger Gemeinsamkeit. Er will sein Narbengewebe durchdringen. Erinnerungen bannen. Totes lebendig machen. Er hat doch noch Lippen, die küssen wollen, Hände, die dieser Frau von hinten durch die Beine ...

Er treibt die Kälte in sich zum Exzess, bis er nichts mehr spürt, bis er ein alter Schneemann wird, der bei Wärmeausbruch in die Kanalisation taut und hochgepumpt wird ins Schloss über der Stadt. Dort wird er ein König sein.

von Leon Engler

Eine Produktion von Neues Theater Wien in Kooperation mit WERK X

– Inszenierung: Michael Schlecht
– Ausstattung: Johannes Weckl
– Musik: Jean Philipp Oliver Viol
– Regieassistenz/Produktionsassistenz: Olivia Rosenberger

Mit: Wojo van Brouwer


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