Theater

Das doppelte Lottchen


Warum sind Mama und Papa nicht mehr zusammen? Daraus macht Kästner eine fesselnde Abenteuergeschichte, die aber auch berührt, wenn sie von den Verlustängsten der Kinder und den allzu nachvollziehbar überforderten Eltern erzählt.

Was für eine Überraschung, man hat einen Zwilling und wusste nichts davon! Diese Überraschung erleben Luise und Lotte in den Sommerferien in einem Ferienheim in Seebühl am Bühlsee. Plötzlich stehen sich da zwei Mädchen gegenüber, die sich zum Verwechseln ähnlich sehen! Bald ist klar, diese Ähnlichkeit ist kein Zufall. Luise und Lotte sind Zwillinge, als Kleinkinder wurden sie nach der Scheidung der Eltern getrennt – Lotte wuchs bei der Mutter in München auf und Luise beim Vater in Wien. Doch warum haben ihre Eltern sie einander verschwiegen?

Um alle Rätsel ihrer Verwandtschaft zu lösen, beschließen Lotte und Luise die Rollen zu tauschen und so ihre zerrissene Familie wieder zusammenzuführen. Die draufgängerische Luise fährt zur unbekannten Mutter nach München, die brave Lotte zum Vater nach Wien. Und bald stellt das Verwechslungsspiel die wohlgeordnete Welt der Mutter ebenso auf den Kopf wie das chaotische Künstlerleben des Vaters.

Ein verblüffend modernes Buch hat Erich Kästner da geschrieben, dabei wurde seine Erzählung bereits 1949 erstmals veröffentlicht, mitten hinein in die konservative deutsche Nachkriegszeit. Die Geschichte von Scheidung und Trennung der Eltern und von allen Problemen und Ängsten, mit denen vor allem die Kinder deswegen konfrontiert sind – sie ist heute aktueller denn je: 42 Prozent der Ehen werden in Österreich geschieden.

Erich Kästner packt diese Geschichte in ein modernes Märchen, lässt zwei Mädchen auf die Suche gehen nach ihrem lange verlorenen Elternteil und damit auch nach einem unbekannten Teil ihrer Identität, ihrer Geschichte. Vor allem aber wollen sie eine Antwort auf die Frage, die sich so viele Scheidungskinder stellen: Warum sind Mama und Papa nicht mehr zusammen? Daraus macht Kästner eine fesselnde Abenteuergeschichte, die aber auch berührt, wenn sie von den Verlustängsten der Kinder und den allzu nachvollziehbar überforderten Eltern erzählt.


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