Tanz · Theater

Dance Company Nanine Linning/Theater Heidelberg - Silver


In ihrer neuesten Kreation entwirft die einflussreiche Niederländische Tanzschöpferin ein faszinierendes, dystopisches Mensch-Maschine-Zukunftsszenario.

Im Spannungsfeld zwischen maschineller Effizienz und ungezähmter Körperlichkeit

Von hier gibt kein Entkommen. Hilflos windet sich der nackte Menschenkörper in einem riesigen blauen Netz. Willkommen in der schönen Zukunftswelt von "Silver", der neuesten Kreation von Nanine Linning. Es ist eine kalte und unheimliche Dystopie, die die 12 Tänzerinnen und Tänzer ihres Heidelberger Ensembles malen - ein explosives Spannungsfeld zwischen maschineller Effizienz und ungezähmter Körperlichkeit.

Eigenartige silberne Klonwesen mit ausdruckslos geschminkten Gesichtern und langem Blondhaar dominieren die Szenerie. Bedrohliche Klänge wabern durch den futuristischen Bühnenraum und verheißen Unheil für die letzten verbliebenen Menschen. Schutzlos sind sie den Silberlingen ausgeliefert und ihr Leben wird durch die künstlichen Intelligenzen gesteuert und optimiert. In monströsen Experimenten entstehen hybride Menschenwesen mit grotesken Körperausbuchtungen, andere werden ihrer Hautschichten beraubt oder in Plexiglaskästen zur Schau gestellt als Raritäten einer versunkenen Zeit. Alles ist möglich in Linnings Visionen, in denen die digitale Revolution alles überrollt hat.

Die Niederländische Tanzschöpferin kombiniert ihre charakteristische poetische Bewegungssprache gekonnt mit Einflüssen aus dem "Popping" und kreiert Bühnenmomente von bildgewaltiger Gestik und marionettenhafter Abstraktion. Die verletzliche Schönheit des Menschlichen im Kampf mit ihrer schwindenden Existenzberechtigung erschafft ein multisensuelles Erlebnis - einen ständigen Wechsel zwischen atemloser Faszination und verhaltenem Schaudern.

Hintergrund zur Entstehung von "Silver" ist Nanine Linnings persönliche Faszination für neueste Technologien wie auch die ethische Frage nach der Zukunft des Menschen. In den Worten der Choreografin: "Ich finde es maßlos spannend zu sehen, wie schnell sich die Technologie, mit der wir uns im Alltag umgeben, weiterentwickelt, welche neuen Möglichkeiten sie eröffnet, aber auch, welche Gefahren sie birgt. Wenn ich mir ansehe, wie sehr sich die Menschen heutzutage von Technologien abhängig machen, glaube ich Zeugin einer fortschreitenden Transformation des Menschen in etwas Anderes, Fremdartiges zu sein. Und das bereitet mir Sorge, inspiriert mich aber auch als Künstlerin."

Nanine Linning, 1977 in Amsterdam geboren, schloss ihr Studium an der Rotterdamer Tanzakademie 1998 ab. Seither heimst die einflussreiche Tanzschöpferin mit ihren Arbeiten einen Kunstpreis nach dem anderen ein. 2001 bis 2006 war Linning Hauschoreographin des berühmten Scapino Balletts, seit 2012 arbeitet sie als künstlerische Leiterin und Chefchoreographin der Dance Company Nanine Linning/Theater Heidelberg.

(hof)

Konzept und Choreographie: Nanine Linning
Choreografische Assistenz: Morgane de Toeuf und Erik Spruijt
Dramaturgie: Hubertus Martin Mayr
Musik: Michiel Jansen
Licht: Philipp Wiechert
Bühne und Kostüm: Bart Hess
Tanz: Demi-Carlin Aarts, Paolo Amerio, Mallika Baumann, Brecht Bovijn, Karen Brinkman, Abel Hernández González, Kyle Patrick, Sebastian Piotrowicz, Lorenzo Ponteprimo, Endre Schumicky, Emma Välimäki, Thomas Walschot
http://www.naninelinning.nl/
http://www.posthof.at/tanztage


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