Pop / Rock · Jazz

Cyrille Aimée


Cyrille Aimée gewann 2007 den ersten Preis und auch den Public-Choice-Award beim Montreux-Jazz-Festival, stand 2010 im Finale des Thelonious Monk-Gesangswettbewerbs und gewann 2012 die Sarah Vaughan International Jazz Vocal Competition. 2014 legte sie nach The Surreal Band und Live at Smalls das Album It’s A Good Day vor. Ihr rhytmisch gesprägter Sound mit multikulturellen Ein-flüssen ist eine Mischung aus brasilianischem Gitarrenspiel und Jazz. 2015 wurde sie in der Kategorie Rising Star mit einem Preis des US-amerikanischen Jazz-Magazins Down Beat ausgezeichnet.

Die Jazzfestivals auf der ganzen Welt reißen sich gerade um diese bereits mit Musik-Auszeichnungen reichlich dekorierte Sängerin. Und wer sie live erlebt, der weiß auch warum. Ihre herzöffnende Art haucht jedem Song eine mächtige Vitalität ein, ganz egal, ob Ballade oder Jazzstandard. Wenn die in Brooklyn lebende Persönlichkeit erst einmal auf Touren kommt, ist sie kaum noch zu bremsen. Und genau diese Freude an der Performance steckt auch ihr so viel Groove produzierendes Begleitquartett an. Adrien Moignard an der akustischen Gitarre, Michael Valeanu an der E-Gitarre, Dani Danor am Schlagzeug sowie Dylan Shamat, der seinen Kontrabass auch schon mal wie ein schwermütiges Cello klingen lässt, tragen mit ihren wohl akzentuierten Soli, die nie überbordend ausschweifen, ebenso zu einem kurzweiligen Konzertabend bei.

Aimée schafft es, jedes Stück zu einem Erlebnis voller Leidenschaft zu machen, wenn sie sich mit ihrer durchdringenden Stimme in melodiöser Scat-Manier auf einen gesanglichen Kurztrip begibt und dann das Publikum in ihren Bann zieht. Mit Superlativen sollte man sparsam umgehen, doch war Ella Fitzgerald stilprägend für das 20. Jahrhundert, so besitzt der aufstrebende Jungstar mit französisch-dominikanischen Wurzeln die Gabe, diesem Jahrhundert einen besonderen Stempel aufzudrücken. Die moderne Technik einer Loop-Station erlaubt es ihr dabei, als Solistin auch einmal auf ihre Band zu verzichten, wenn sie Make You Dance mit einem Sammelsurium an Sound- und Voiceschleifen anstimmt. Überwiegend ist ihr Programm in zwei Sets mit Songs ihres in diesem Jahr erschienenen Albums Let’s Get Lost gefüllt. Das Titelstück hat sie sich dabei bis zur letzten Zugabe aufgespart.

Ob auf Spanisch, Französisch oder Englisch, die Bandbreite ihrer Songs repräsentiert auch einen Hauch Weltmusik. Dabei blitzt ihre Vorliebe zum Gypsy-Jazz ebenso auf wie die eingestreuten Abstecher zum Latin Bossa. Lieder aus der eigenen Feder begeistern dabei ebenso wie einige spannende und innovative Coverversionen. So nehmen Aimée & Co. sich beispielsweise Off The Wall von Michael Jackson an, aber auch Well You Needn’t von Thelonious Monk, dem Peggy Lee-Klassiker It’s A Good Day oder T’es Beau Tu Sais von Edith Piaf. Besonders die Vielseitigkeit von Pop bis zum Chanson ist dabei eine Trumpfkarte der Jazz-Verpackungskünstlerin mit dem sonnigen Gemüt. Die am Ende von Festival-Chefin Johanna Göb an die Musiker verteilten Sonnenblumen hätten das dargebotene Musikpaket jedenfalls kaum treffender kennzeichnen können.


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