Kunstausstellung · Fotografie Ausstellung

Cyril Helnwein - Lost Garden


Der ursprüngliche Auslöser für Lost Garden war die Idee, eine Sofortbildreihe (wie Polaroid) zu erschaffen, die ausschließlich in einer Waldlandschaft aufgenommen wurde. Im Speziellen wurden hierbei der botanische Garten aus dem 19. Jahrhundert und das Arboretum zum Schauplatz, die sich auf dem irischen Anwesen der Familie Helnwein befinden.

Allerdings kam es während Helnweins logistischer Planung dieser Aufnahmen zu einem sowohl unerwarteten als auch bewegenden Moment der Inspiration: der Künstler las einen Artikel des National Geographic über illegalen Handel mit Rhinozeroshörnern, der ihm klarmachte, dass das afrikanische westliche Spitzmaulnashorn aufgrund vermehrter Wilderei im Jahr 2011 offiziell als ausgestorben erklärt worden war. Die schockierende Einsicht, dass zu seiner Lebenszeit gesamte Spezies verschwanden, lenkte sein Konzept in eine neue Richtung, in der sich zoologische und taxonomische Elemente widerspiegelten. Entschlossen, mehr über andere bereits verstorbene Arten herauszufinden, machte sich Helnwein an die Recherchen auf dem Gebiet. Schlussendlich entschied er, eine Reihe handgemachter Schädel aus Gips anzufertigen, die auf ausgestorbenen oder vom Aussterben bedrohten Tierarten basierten und deren Größe an den menschlichen Körper angepasst war.

Das Ergebnis ist die Einsicht in eine einzigartige, urzeitliche, fantastische Welt: nackte Frauen mit Tierschädeln bewohnen einen halbwilden Garten, der übersät ist von verfallenen Springbrunnen, Mammutbäumen, Bambusgebüschen, riesigen Rhabarbern, verwachsenen Steinstufen, hochstehendem Rhododendron, sowie Meeren voller Hasenglöckchen und Fingerhüten. Alleine oder paarweise erstarren die Frauen in diesen Bildern in unklar, heidnisch wirkenden Posen. Sie erwecken den Anschein, dass wir Zeugen eines elementaren, uralten Zaubers werden, der sich vor unseren Augen entfaltet.

Die fertigen Kunstwerke sind vergrößerte Drucke der originalen Sofortbildaufnahmen. In ihnen findet sich oft Helnweins Markenzeichen wieder: Effekte, die auf die Verwendung von Photoshop verzichten, wie die Doppelbelichtung. Die erkennbaren Mängel, hervorgerufen durch zufällige Zwischenfälle bei der Filmentwicklung, haben eine überraschend anziehende Auswirkung auf den Betrachter. Bei der Ausstellung werden die Bilder in Rahmen präsentiert, die von Helnwein selbst aus altem, wiederverwertetem Holz angefertigt wurden.

Obwohl Helnweins Werke nicht ausdrücklich als eine Stellungnahme zum Artenschutz beabsichtigt waren, steht Lost Garden doch ganz im Zeichen dieses Themas. Anfangs fertigte Helnwein ausschließlich Schädel ausgestorbener Arten an, während er später auch Tiere miteinbezog, die zwar noch zahlreich vorhanden sind, deren Knochenbau aber interessante Merkmale aufwies. Diese Entscheidung könnte als Warnung dafür stehen, dass selbst die Tiere, die wir als selbstverständlich erachten, eines Tages verschwinden könnten – sollten wir unsere Verantwortung als die dominante Spezies dieser Erde nicht anerkennen.


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