Jazz

Craig Taborn Trio


Der Amerikaner Craig Taborn überzeugt seit über zwei Dekaden als umtriebiger Jazzpianist und Keyboarder. Auf der Suche nach neuen Herausforderungen bewegt er sich zwischen Free Jazz und Elektronik.

Am Anfang war das akustische Piano. Es stand schon immer da, so erinnert sich der 1970 geborene Craig Taborn an das Elternhaus in Golden Valley, einem Vorort von Minneapolis, wo er seine Kindheit verbrachte – in unmittelbarer Nachbarschaft des Schlagzeugers Dave King und des Bassisten Reid Anderson, die heute vorab mit dem Pianisten Ethan Iverson im Trio Bad Plus spielen. Als Teenager gab Taborn mit ihnen erste Konzerte; und mit ihnen ist er bis heute auch im vertrackt-elektronischen Pop-Trio „Golden Valley starts now“ vereint. Aufgewachsen in diesem kreativen Umfeld, eignete sich Taborn als Elfjähriger im Klavierunterricht zunächst zwar die Grundlagen des klassischen Klavierspiels an. Von elektronischen Keyboards fasziniert, begann er im selben Jahr auch bereits Moog-Synthesizer und Fender Rhodes zu spielen.

Das Interesse am Jazz führte dazu, dass sich Taborn bald autodidaktisch der freien Improvisation und kompositorischen Studien zuwandte. Das unvoreingenommene Hören unterschiedlichster Musikstile, das er seit frühster Jugend gepflegt hatte, führte nun nicht nur zu einem eigenen, offenen Musikverständnis, es half auch, ein individuelles, durch feinfühlige Spontaneität geprägtes Tastenspiel zu entwickeln. Seine Vielseitigkeit, sagt er, habe ihn bis heute vor der Obsession bewahrt, Jazz sozusagen in Reinkultur spielen zu wollen.

Anfang der neunziger Jahre besuchte Craig Taborn die Ann Arbor University in Michigan, die er aufgrund der Nähe zu Detroits Jazzszene und der renommierten Fakultät für Komposition wählte. In den ersten Tagen befreundete er sich hier an der Jazzfakultät mit dem ingeniösen Drummer Gerald Cleaver, mit dem ihn bis heute eine Geschichte des Zusammenspiels verbindet – zum Beispiel in den Formationen von Roscoe Mitchell, Mat Maneri und Tim Berne.

Tim Berne, einer der Protagonisten der improvisierten Musik in New Yorks Downtown Szene, lockte ihn letztlich in den Big Apple. Bis heute blieb Taborn diesem Melting Pot treu.

Über die Jahre entwickelte sich Taborn zu einem stupenden Improvisator, der in den unterschiedlichsten Settings über einen feinen Sinn für das jeweilige musikalische Nervengeflecht verfügt.

Nun hat er das facettenreiche und ausdrucksstarke Soloalbum „Avenging Angel“ herausgebracht. Auf diesem zeigt sich sein improvisatorischer Furor eindrücklich. «Spontaneity is all I can do», antwortet Taborn auf die Frage nach der musikalischen Methode und Leitlinie dieser ausdrucksstarken Aufnahmen.

Die Grenze zum Zufall überschreitet Taborn höchst selten, etwa wenn er sich zu Clustern hinreißen lässt. Meist setzt er seine Mittel virtuos und kalkuliert ein, die lyrische Kraft seines Spiels resultiert nicht zuletzt aus einer sehr disziplinierten Spielkultur. Taborns freie Musik ist also das Produkt meisterlicher Beschränkung, das macht sie trotz aller Sperrigkeit höchst interessant. (Pressetext)

Nur wenige Musiker verfügen über ein dermaßen breites musikalisches Spektrum wie der vierzigjährige aus Detroit stammende Pianist, Keyboarder und Sythesizer-Spezialist Craig Taborn, der vor kurzem mit seiner ersten ECM-Pianosolo-CD die internationale Kritik begeisterte. Zu seinen stilistischen Einflüssen zählen die Jazz-Avantgardisten der 50er und 60er Jahre von Sun Ra bis Cecil Taylor, aber auch Olivier Messiaen, der HipHop oder der Techno-Sound seiner Heimatstadt, wo er unter anderem mit dem legendären Produzenten Carl Craig zusammenarbeitet. In Jazzkreisen wurde Craig Taborn vor allem durch seine Engagements bei James Carter und bei Roscoe Mitchell bekannt. All diese unterschiedlichen Einflüsse kommen nun im gleichermaßen virtuosen wie eigenwilligen Spiel Craig Taborns zum Tragen, das durch unglaublich hypnotische Grooves mit organischen Übergängen in freie Improvisationen geprägt ist. Hier prallen Free Jazz, Techno und zeitgenössische Klassik aufeinander und ergeben ein stimmiges Ganzes, als ob sie immer schon zusammengehört hätten. In seinem Langzeit-Weggefährten Gerald Cleaver, einem der gefragtesten Drummer der New Yorker Downtown-Szene, und im großartigen jungen Kontrabassisten Thomas Morgan, der derzeit in mehr als zwanzig verschiedenen Bands, unter anderem bei John Abercrombie, Paul Motian oder Steve Coleman, für die tiefen Töne sorgt, hat Taborn ideale Trio-Partner gefunden. Das Klaviertrio ist im Jazz derzeit wieder ungeheuer in Mode, das Craig Taborn Trio klingt aber aufregend anders und geht noch einen entscheidenden Schritt weiter. Ein unglaublich spannender und hochmusikalischer Abend ist garantiert! (Pressetext)

Craig Taborn: piano
Thomas Morgan: bass
Gerald Cleaver: drums


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