Oper · Theater

Così.20 – Liebe ist ansteckend!


Wolfgang Amadeus Mozarts Oper „Così fan tutte“ – das ist eine zynische Wette auf die Unmoral im Laborversuch, seziert und durchs Mikroskop betrachtet. Mozarts musiktheatralischer Geniestreich liefert dem Künstlerkollektiv ĀRT HOUSE OPERA um Thomas Höft und Dietrich Henschel die ideale Folie für Oper in den Zeiten von social distancing. In einer theatralischen Feldstudie vereinzelt das Opernlabor COSÌ.20 alle Akteure in einem intensiven Psycho-Experiment. Wird die Isolation gelingen und das Virus wirksam bekämpft werden können? Kann der kontaktfreie Gefühlsaustausch schmerzfrei vollzogen werden?

forum:lockenhaus hat COSÌ.20 als Veranstalter übernommen, nachdem das ursprünglich in Berlin angesetzte Projekt zeitweilig durch das Singverbot in der Corona-Infektionsschutzverordnung des Berliner Senats in Turbulenzen geraten war.

Wo große Oper verhindert ist, versammelt COSÌ.20 eine komplette Opernkompanie im Kompaktformat, die Vielseitigkeit der Mitwirkenden freundlich ausnutzend. Zum Personal gehören u.a. neben einer handverlesenen Sängerbesetzung – darunter Sopranistin Johanna Winkel und Tenor Benedikt Kristjánsson – der künstlerische Leiter, Bariton und Pianist Dietrich Henschel und die Dirigentin Gabriella Teychenné sowie das Vogler Quartett.

Die Produktion wird in einer auf 140 Minuten komprimierten Fassung aufgeführt und mit Musik u.a. von György Ligeti, György Kurtag und Ghostly Kisses angereichert. Dem Publikum ist in diesem Vereinzelungsszenario eine eigene Rolle unter allen notwendigen Vorgaben des Infektions­schutzes zugedacht. Am COSÌ.20-Experiment können maximal 98 Personen pro Aufführung teilnehmen. Der Kartenvorverkauf startet am 7. Juli 2020 auf startnext.de und ist mit einem Crowdfunding verbunden.

Alle Mitwirkenden stellen ihre Arbeitskraft und Kreativität ebenso honorarfrei zur Verfügung wie die Betreiber der Burg Lockenhaus ihre Location oder das Kühlhaus Berlin ihr Gebäude für die ersten Probenwochen. Die Produktion wird von der deutschen Kulturstiftung des Bundes im Programm reload.Stipendium für freie Gruppen gefördert. Einnahmen dienen zur Deckung der weiteren Unkosten.

Mitmachen: ab EUR 35,–

Die Corona-Pandemie hält die Welt seit Beginn des Jahres 2020 fest im Griff. Wie ist mit den neuen Verhältnissen künstlerisch umzugehen? Die gesundheitliche Bedrohung ist real und die Konsequenzen daraus müssen ernstgenommen werden. Virale Infektionen, die über Tröpfchenübertragung und Aerosole stattfinden, können am besten über Schutzmaßnahmen wie räumliche Distanz und Masken eingeschränkt werden. Wenn man das ernst nimmt, heißt das aber noch lange nicht, dass damit performative Kunst unmöglich wäre. Sie ist nur nicht im gewohnten Sinne zu realisieren: Reduzierte Orchesterbesetzungen, kürzere Aufführungsdauern, Sicherheitsabstände, Atemschutzmasken, dies sind neue Gegebenheiten, auf die sich alle in Theater- und Konzertveranstaltungen einzustellen haben.

Doch COSÌ.20 begreift sich nicht als eine „reduzierte Fassung“ einer Mozart-Oper. „Wir betreiben keine simple Reduktion auf Corona-Format, sondern wir akzeptieren die neuen Gegebenheiten und nehmen sie als Grundlage für unsere künstlerische Auseinandersetzung mit einem genialen Musiktheaterstück des Repertoires. COSÌ 20 gewinnt aus der scheinbaren Reduktion ihre eigentliche Kraft. Sie betrachtet Da Pontes Theaterlabor mit dem Auge unserer momentanen Laborsituation und überträgt die Forschungsergebnisse Da Pontes und Mozarts in unsere pandemische Gegenwart.“ (Thomas Höft)

Das forum:lockenhaus hat sich als organisatorischer Partner für das Projekt angeboten, weil es daran arbeitet, die Aufführung von Musik grundsätzlich als interdisziplinär zu begreifen und jede Musik kontextuell zu betrachten. Zwei Künstler*innenkollektive stehen für die Umsetzung: WUNDERHORN productions wurde von Dietrich Henschel in Berlin zur Realisierung von Film- und Musiktheaterproduktionen gegründet, und ĀRT HOUSE in Graz ist das neue Künstlerkollektiv von Georg Kroneis, Michael Hell und Thomas Höft, das international spartenübergreifend zwischen Kunst und Wissenschaft aktiv ist. Gemeinsam haben sie sich den Namen ĀRT HOUSE OPERA gegeben.
Die Aufführungen im Kühlhaus Berlin sind auf unbestimmte Zeit verschoben, bis seitens der Behörden eine Planungssicherheit wiederhergestellt worden ist.


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