Literatur · Theater

Cornelius Obonya - Ecklokal mit Verlierer


Der Titel von Cornelius Obonyas Lesung malt ein Stimmungsbild aus einem Gedicht von Robert Gernhardt über einen Verlierer. Den selbst so erfolgreichen Vollblutschauspieler fasziniert es die Verlierer, Verbrecher und Randfiguren darzustellen. Peter Kislinger stellte ihm eine Auswahl an Texten zusammen, von Robert Gernhardt, Gottfried Benn, Hans Magnus Enzensberger u.a.

Vom Sanften und Guten in uns Würsten bis zur Ohnmacht des kleinen Würstchens ist es oft nur ein kleiner Schnitt. Trägt die „kleine Wurst von der Straße“ selber schuld? Oder ist es die Wurstigkeit der Gesellschaft?

Die Texte – u.a. von Gottfried Benn, Robert Gernhardt, Oskar Pastior, Hans Magnus Enzensberger;
Robert Walser und Ror Wolf – geben komische und ironische, keinesfalls satirische Antworten.
Satire will ja aus armen Würsten, wenn schon nicht Geist, so doch mindestens Fleisch machen. Die Texte sind aber dem Schibboleth der Komik verpflichtet: Die Würde der Wurst ist unantastbar. Doch ist auch die geliebte Wurst, aus der Nähe betrachtet, komisch. Daraus entsteht bekanntlich Ironie.

Diese gefährliche, aber notwendige Waffe ist, wie man Sören Kierkegaards paradoxer Formulierung nachempfinden könnte, der Weg, aber nicht zur Wahrheit der Wurst, sondern der Weg, auf dem uns Würste das Resultat verlässt. Aber wehe der Wurst, die nicht ertragen kann, dass Ironie Rechenschaft fordert. Die Form des Programms reflektiert dessen Thema: Ende, Mitte, Ende - die Geworfenheit der Wurst (das wurstige Ich) bis zum Tod, der schon lange kein eigener ist, in der Wurstigkeit. In der Mitte: Wurst sucht Wurst – und: Die Wurst ist der Wurst größter Feind!

Text- und Musikauswahl: Peter Kislinger
Peter Kislinger ist u.a. freiberuflicher Mitarbeiter von Ö1 (Pasticcio, Apropos Klassik etc.), Radio 3 der
BBC und lehrt am Institut für Anglistik der Universität Wien.


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