Kunstausstellung

Corita Kent - Joyful Revolutionary


Galerie im Taxispalais

6020 Innsbruck, Maria-Theresien-Straße 45

Sa., 30.05.2020 - So., 11.10.2020

Corona-Virus: Ab 29. Mai sind Veranstaltungen bis 100 Personen wieder erlaubt. Ab 1. Juli bis 250 Personen, ab 1. August für 500 bis 1.000 Personen. Sicherheitsregeln gelten weiterhin.

Mit Corita Kent___Joyful Revolutionary präsentiert das TAXISPALAIS Kunsthalle Tirol erstmals eine Einzelausstellung der Künstlerin in Österreich.

Im Fokus stehen dabei Kents Siebdrucke aus den 1960er Jahren, die mittels vielschichtigem Archiv- und Dokumentationsmaterial kontextualisiert werden. Die Arbeiten aus dieser Schaffensperiode sind dezidiert politisch, sie verdanken sich Kents kritischem Blick auf soziale Fragen und verströmen zugleich spirituelle Zuversicht. Damit resonieren die Serigraphien mit aktuellen Fragestellungen zum gesellschaftskritischen Potential von Kunst und zu Veränderungsmöglichkeiten in gewachsenen Traditionen.

Die Siebdrucke von Corita Kent (1918–1986) vereinen diverse visuelle und textuelle Quellen auf unerwartete Weise. Ästhetische Erfahrungen des Alltags, spirituelle Botschaften, Zitate aus Literatur, Popkultur und den Massenmedien werden farbintensiv nebeneinandergestellt und im Sinne sozialer Gerechtigkeit politisch mobilisiert. In ihren Arbeiten geraten Buchstaben und Sprache zur Form und zum Bild, die Form und das Bild zum Inhalt.

Kents Serigraphien können als Pop Art und als Wegbereiter der Pictures Generation angesehen werden. Im Alter von 18 Jahren trat Kent der Vereinigung von Glaubensschwestern der Immaculate Heart of Mary in Los Angeles bei, deren Ordensmitglied sie für drei Jahrzehnte blieb. Am dortigen College avancierte sie zur renommierten Kunstprofessorin und leitete schließlich die Kunstabteilung. Leidenschaftlich setzte sie sich für Frieden und soziale Gerechtigkeit ein und wurde seit den 1960ern als Künstlerin, Pädagogin und Persönlichkeit des öffentlichen Lebens zur lebenden Legende, die 1967 mit dem Titel „THE NUN: GOING MODERN“ (Die Nonne auf dem Weg in die Moderne) auf dem Cover der Newsweek erschien. Ihr Engagement im Feld der neu aufkommenden Pop Art mit all den kulturellen Veränderungen, die diese bezüglich der Zusammenführung von Hoch- und Populärkultur einläutete, speiste sich aus Kents Interesse und Einsatz für die vom Zweiten Vatikanischen Konzil angestoßene Revitalisierung und Erneuerung religiösen Lebens. Das eine wurde in Kents Arbeiten in den Dienst des anderen gestellt und führte zu ihrer einzigartigen und alle Klassifizierungen herausfordernden Kunst.

Seit den frühen 1950er Jahren arbeitete Kent hauptsächlich mit Serigraphien, die sie als eine erschwingliche und demokratische Kunstform erachtete. Während frühe Werke figurative und religiöse Motive enthalten, entwickelte sich ihre Kunst in den 1960ern Jahren zunehmend politisch. Sie integrierte aus Massenmedien appropriierte Fotografien von Persönlichkeiten wie Martin Luther King Jr., Coretta Scott King, César Chávez und Daniel und Philip Berrigan in ihre Siebdrucke, um damit ihre Unterstützung für soziale und politische Kämpfe wie zum Beispiel die Bürgerrechts- und Anti-Vietnamkriegs-Bewegung zu bekunden.

Beispielhaft zeigt sich in ihrer Arbeit american sampler, wie ihre künstlerische Strategie im Umgang mit Farbe und Referenzen es ihr erlaubt, politische Komplexität sichtbar zu machen: Der Stempel-Schriftzug in Rot, Weiß und Blau bezieht sich sowohl auf die Farbgebung der amerikanischen Flagge als auch die Typographie von Fahndungsplakaten des „Old West“. Das spielerische Verweben von Vorder- und Hintergrund zerlegt einzelne Wörter in ihre Bestandteile und offenbart damit eine zweite Bedeutungsordnung innerhalb des expliziten Textes – eine, die an die individuelle und moralische Verantwortung der Betrachter_in appelliert. Kent spielt beispielsweise damit, dass das Wort „ASSASSINATION“ (Attentat) die Wörter „SIN“ (Sünde), „I“ (ich) und „NATION“ enthält.

Kuratiert von Nina Tabassomi