Alte Musik · Klassik

Concerto Copenhagen


Es gehört zu den Verdiensten historischer Aufführungspraxis, den als merkantilen Vielschreiber verunglimpften Telemann als hellwachen und wendigen Geist rehabilitiert zu haben, der bis ins hohe Alter für kreative Überraschungen gut war. «Das ist Telemann?», dürfen Sie sich daher auch zurecht fragen, wenn Maria Keohane und Concerto Copenhagen in dem greisen Komponisten der großangelegten «Ino»-Kantate einen frühklassischen Neutöner entdecken. Dazu hat Lars Ulrik Mortensen Instrumentalmusik zweier eigenbrötlerischer Klangtüftler ins Programm genommen: eine Suite aus Jean-Philippe Rameaus Ballettkomödie «Platée» und ein Orchesterkonzert des Dresdner Hofkapellmeisters Johann David Heinichen, des – wie ihn die Zeitgenossen nannten – «deutschen Rameau».

Programm
Georg Philipp Telemann
Suite D-Dur TWV 55/D23 (1763)
Johann David Heinichen
Concerto G-Dur Seibel 213

Jean-Philippe Rameau
Suite (Platée) (1745)

Johann Adolf Scheibe
Sinfonia A-Dur (1742 um)
Georg Philipp Telemann
Ino: Wohin, wo soll ich hin? TWV 20/41 (1765))

«Aus einem Querkopf wird selten ein Versager», meint der schriftstellernde Kinder- und Jugendpsychiater Paulus Hochgatterer. Dieser Auffassung können wir uns nur anschließen. Querköpfe denken anders, leben unangepasst und stoßen auf Widerstand.

In Wissenschaft und Kunst sind sie, «die ewigen Kinder», oft identisch mit den verschrobenen Genies, die ja bekanntlich nah am Wahnsinn leben sollen. Einer von ihnen war der 1690 in Florenz geborene Komponist und Geigenvirtuose Francesco Maria Veracini, dessen Oper «Adriano in Siria» die «Resonanzen» 2014 und damit unsere Parade kreativer Störenfriede in der Musik vom Mittelalter bis zum Barock eröffnen wird.

In ihren verschiedenen Ausprägungen begegnen uns Querköpfe bei diesen «Resonanzen» aber nicht nur als schrullige bis durchgeknallte Komponisten vom Format eines Jan Dismas Zelenka, Carlo Gesualdo, Alexander Agricola oder William Lawes; sie mischen sich auch – mehr oder weniger diskret – unter die Ausführenden: Europa Galante, Hopkinson Smith, Hiro Kurosaki, Concerto Copenhagen und viele andere Publikumslieblinge machen gemeinsam mit den Debütantinnen und Debütanten des britischen Gambenconsorts Phantasm, der deutschen Capella de la Torre und des Prager Collegiums 1704 Front gegen den musikalischen Mainstream – damals und heute.


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