Klassik

Concentus Musicus Wien


Eine besondere Vorbildfunktion für Bruckners Sinfonik kommt Beethovens schon damals äußerst populärer Sinfonie Nr. 5 in c-moll zu. Nicht weniger als drei ebenfalls in dieser Tonart stehende Gattungsbeiträge hat Bruckner komponiert, nämlich die Sinfonien Nr. 1, Nr. 2 und Nr. 8, die darüber hinaus alle, analog zu Beethovens Werk, einen Finalschluss in C-Dur aufweisen. Der ersten, sogenannten Linzer Fassung von Bruckners 1. Sinfonie ging in den beiden Mittelsätzen eine Frühfassung voraus. Das Autograph des ursprünglichen Adagios, das bei diesem Konzert seine Brucknerhaus-Premiere erlebt, sieht noch keine Trompeten und Posaunen vor, bricht mit Takt 154 ab und wurde von Wolfgang Grandjean für Aufführungszwecke ergänzt. Motive aus der Coriolan-Ouvertüre verarbeitete Bruckner anscheinend gelegentlich in seinen Orgelimprovisationen, wie dies zumindest für das Jahr 1867 bezeugt ist. Die Melusinen-Ouvertüre kam am 26. Februar 1864 bei einem Konzert des Musikvereins in Linz zur Aufführung, an dem Bruckner als Pianist beteiligt war. Geleitet von Stefan Gottfried kehrt der legendäre Concentus Musicus Wien nach zwölfjähriger Abwesenheit wieder auf die Bühne des Brucknerhauses Linz zurück und wird zum ersten Mal seit seiner Gründung im Jahre 1953 Werke von Anton Bruckner spielen.

LUDWIG VAN BEETHOVEN (1770-1827)
Ouvertüre zu Heinrich Joseph von Collins Trauerspiel „Coriolan“ in c-moll, op. 62 (1807)

ANTON BRUCKNER (1824-1896)
Adagio in f-moll, Urfassung des II. Satzes der Sinfonie Nr. 1, WAB 101 (1865/66)

Drei Orchesterstücke in Es-Dur, e-moll und F-Dur, WAB 97,1-3 (1862)

FELIX MENDELSSOHN BARTHOLDY (1809-1847)
Das Märchen von der schönen Melusine, Konzert-Ouvertüre (Nr. 4) in F-Dur, op. 32 (1833, rev. 1835)




  • Pause -
    LUDWIG VAN BEETHOVEN
    Sinfonie Nr. 5 in c-moll, op. 67 (1804-08).



Der Concentus Musicus Wien war über 60 Jahre lang Heimat und Urzelle des musikalischen Schaffens seines Gründers Nikolaus Harnoncourt. Die das Ensemble kennzeichnende Intensität und die fundierte, unmittelbar lebendige Auslegung der musikalischen Meisterwerke basierte stets wesentlich auf Harnoncourts Forderung an jeden einzelnen Musiker, aktiv mitzuvollziehen und persönlich zu durchdringen, warum jetzt gerade „so und nicht anders“. Das Ensemble – damit nicht nur ausführender, sondern vom Geist des Werkes erfasster musikalischer Partner – entwickelte auf diese Art unweigerlich seine spezifische musikalische Sprache, die es so unverwechselbar macht.

„Kunst ist immer neu“ – Nikolaus Harnoncourts Credo und elementar lebendige Triebkraft und das in jedem Einzelnen verankerte Erbe aus den gemeinsamen Jahrzehnten lässt auch nach seinem Tod nicht an ein Aufhören denken. Den zugeworfenen Funken weiter zu entfachen, immer neu zu aktualisieren und auf weiterhin zu eröffnende Perspektiven zu entflammen, ist heutiges Anliegen des Concentus Musicus.

Der familiäre Zusammenhalt der Musiker war dabei immer eine wichtige Grundlage. In diesem Sinn erneuert sich der Concentus Musicus von innen heraus: aus den eigenen Reihen kommend wird Stefan Gottfried als neuer künstlerischer Leiter zusammen mit Erich Höbarth und Andrea Bischof und gemeinsam mit dem Enkel Maximilian Harnoncourt die Zukunft formen und gestalten.

Die Tatsache, dass der große Musiker und Künstler Harnoncourt, der Generationen von Musikern geprägt hat, mit dem Concentus Musicus seine letzten großen Projekte verwirklicht hat (Mozarts Da Ponte-Zyklus, „Zauberflöte“ und das „Instrumentaloratorium“ der letzten drei Sinfonien, Beethovens Sinfonien und „Missa solemnis“), ist Auftrag und Herausforderung zugleich, diesen unverwechselbaren musikalischen Geist weiter zu tragen und weiter zu entfalten.


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