Theater

Company Christoph Winkler - Her Noise


Sind alle digitalen Stimmen weiblich? Navigationsgeräte, Sprachassistenten und selbst die Durchsagen in öffentlichen Verkehrsmitteln nutzen die weibliche Stimme. Wird diese als angenehmer, entspannter und freundlicher wahrgenommen? Und welche Rolle spielen sie im öffentlichen Diskurs?

Gerade wurde die Stimme von Hillary Clintons als „Eispickel im Gehörgang“ beschrieben. Michelle Obama kritisierte man sowohl dafür, „wie ein weißes Mädchen zu sprechen“ als auch dafür, zu laut, zu wütend oder gar entmannend zu sein. Frauen, die ihre Stimme erheben, sind einer latenten Bedrohung ausgesetzt. Ein einfacher Blick in die Kommentarspalten sozialer Medien reicht dafür aus. Auch die Geschichte ist voller Beispiele für die Ambivalenz, mit der unsere Gesellschaft weiblichen Stimmen gegenübertritt. In den Sirenen Homers über Andersens kleiner Meerjungfrau, von Kants Bemerkungen über das frivole Geschnatter der Frauen im Nebenzimmer bis zu den weiblichen Stimmen dienender elektronischer Geräte tritt eine Haltung zutage, in der die Stimme eine Gefahr für die gesellschaftliche Ordnung darstellt.

Als Nachfolgeprojekt des 2018/19 entstandenen The Voice That You Are geht es in der installativen Performance Her Noise der Company Christoph Winkler nun um die Frauenstimme, die sich mit verschiedenen Aspekten weiblicher Stimmen auseinandersetzt und ein choreografisches Konzert kreiert. Die Company spielt mit Musikstücken, die einen besonderen Bezug zur weiblichen Stimme und ihrer Emanzipation herstellen. So erklingt beispielsweise Pauline Oliveros „Bye Bye Butterfly“, während die Tänzer_innen dafür einen körperlichen Ausdruck suchen.

Die Künstlerinnen Lucrecia Dalt, Stine Janvin, Colin Self und Lena Monsterfrau, die sich mit Stimmen und dem Musik(sub)genre Noise in ihrer eigenen Praxis beschäftigen, wurden eingeladen, im Probenprozess Einblicke in ihre Arbeitsweise zu geben und gemeinsam mit den Tänzerinnen der Company musikalisches Material zu erarbeiten. Diese nehmen das Material auf und fügen im Prozess der geteilten Autor_innenschaft eigenes dazu. Die Performance vereint Musik mit performativen Szenen zu einer Reflexion über das Potenzial weiblicher Stimmen.


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