Alte Musik · Klassik

Collegium 1704, Collegium vocale 1704


Glaubt man den Ergebnissen einer spekulativen, Erbsen zählenden Musikwissenschaft, so war Jan Dismas Zelenka, dessen tschechischer Familienname so viel wie «Grünschnabel» bedeutet, ein großer Grübler, der sogar Bach an einer gewissen Neigung zu kryptischer Chiffrierung seiner Musik übertroffen haben soll. Glücklicherweise braucht man diese Spitzfindigkeiten nicht, um von dem radikalen Gedankenreichtum seines Schaffens wie vor den Kopf gestoßen zu sein! Er liegt in den schroffen Kontrasten archaischer und protoklassischer Formen seines grandiosen «Miserere» ebenso hell am Tage, wie in den entrückten Sphärenklängen seiner letzten von insgesamt sechs «Missae ultimae», der Allerheiligenmesse von 1741. Niemand kennt und kann Zelenka derzeit besser als Václav Luks!

Interpreten
Collegium 1704, Ensemble
Collegium vocale 1704, Vokalensemble
Roberta Invernizzi, Sopran
Terry Wey, Altus
Julian Prégardien, Tenor
TomᚠKrál, Bass
Václav Luks, Dirigent

Programm
Jan Dismas Zelenka
Miserere c-moll ZWV 57 (1738)
Missa Omnium Sanctorum ZWV 21 (1741))

«Aus einem Querkopf wird selten ein Versager», meint der schriftstellernde Kinder- und Jugendpsychiater Paulus Hochgatterer. Dieser Auffassung können wir uns nur anschließen. Querköpfe denken anders, leben unangepasst und stoßen auf Widerstand.

In Wissenschaft und Kunst sind sie, «die ewigen Kinder», oft identisch mit den verschrobenen Genies, die ja bekanntlich nah am Wahnsinn leben sollen. Einer von ihnen war der 1690 in Florenz geborene Komponist und Geigenvirtuose Francesco Maria Veracini, dessen Oper «Adriano in Siria» die «Resonanzen» 2014 und damit unsere Parade kreativer Störenfriede in der Musik vom Mittelalter bis zum Barock eröffnen wird.

In ihren verschiedenen Ausprägungen begegnen uns Querköpfe bei diesen «Resonanzen» aber nicht nur als schrullige bis durchgeknallte Komponisten vom Format eines Jan Dismas Zelenka, Carlo Gesualdo, Alexander Agricola oder William Lawes; sie mischen sich auch – mehr oder weniger diskret – unter die Ausführenden: Europa Galante, Hopkinson Smith, Hiro Kurosaki, Concerto Copenhagen und viele andere Publikumslieblinge machen gemeinsam mit den Debütantinnen und Debütanten des britischen Gambenconsorts Phantasm, der deutschen Capella de la Torre und des Prager Collegiums 1704 Front gegen den musikalischen Mainstream – damals und heute.


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