Kunstausstellung · Fotografie Ausstellung

Claudia Märzendorfer - kollektive Collage


Seit Ende der 1990er-Jahre arbeitet und experimentiert Claudia Märzendorfer mit einem Verfahren und Material, das ihrem Interesse am Unbeständigen und Vergänglichen und Unkontrollierbaren entgegenkommt.

Eröffnung: Samstag, 9. Juli, 19.30 Uhr

Begrüßung:
Jaochim-Lothar Gartner, Bildrecht
Zur Ausstellung:
Jeanette Pacher, Secession Wien

Seit Ende der 1990er-Jahre arbeitet und experimentiert Claudia Märzendorfer mit einem Verfahren und Material, das ihrem Interesse am Unbeständigen und Vergänglichen und Unkontrollierbaren entgegenkommt. Die Künstlerin stellt Objekte aus gefrorenem Wasser oder Tinte her: ephemere Plastiken, deren Zerfallsprozess mit dem Zeitpunkt ihrer Präsentation einsetzt. Die Eisarbeiten sind eine Anti-Idee zur Skulptur, als Inbegriff des für die Ewigkeit geschaffenen, eingefrorenen dreidimensionalen Bildes. Märzendorfer setzt die Skulptur in Bewegung und schafft einzigartige Situationen, die dank ihrer Instabilität Momente der Überraschung in sich bergen.

Neben den Eisabgüssen, bestimmt ein weiteres Thema ihr Werk: Wie wir die Welt begreifen erkundet sie in dem sie Räume zeichnerisch und fotografisch abtastet, zerlegt, frisch und anders wieder zusammensetzt. Der für den Bildraum Bodensee konzipierten Arbeit kollektive Collage liegt eben dieses Prinzip zugrunde. Die titelgebende Wandarbeit besteht aus 200 s/w-Fotografien, die in mehreren Lagen großformatiger Poster in dichten Reihen neben- und übereinander die Wand füllen. Sie zeigen eine von der Künstlerin festgelegte Raumflucht durch das alte Postamtsgebäude, in dem sich der Bildraum Bodensee befindet. Blättert man durch die Bilder dieser ortsspezifischen Collage, ergeben sich immer wieder zufällige Zusammensetzungen und neue Ansichten. Die BetrachterInnen werden somit aktiv in die Gestaltung miteinbezogen und daran erinnert, dass wir alle unsere Welt gestalten.

Eine zweite neue Arbeit, Schneemann, wird hinsichtlich ihrer Form und ihres Aggregatszustands transformiert. Ein Schneemann, klassisch aus drei Teilen und mit Tinte eingefärbt, löst sich im Rahmen der Ausstellungseröffnung auf. Er wirkt er deplatziert – nicht nur wegen der Jahreszeit, auch seine schwarze Farbe passt nicht ins gewohnte Bild. Übrig bleibt die Transportkiste, in der sich das Tintenwasser sammelt und eine plane Fläche im sonst leicht abschüssigen Raum bildet. Die Flüssigkeit glänzt schwarz, ihre Oberfläche reflektiert wie ein Spiegel, wie auch die der schwarzen Fotografien im Raum nebenan. Die vermeintliche Anonymität der dicht angeordneten Portraits wird spätestens in dem Augenblick aufgehoben, wenn sich die betrachtende Person in den Bildern wiedererkennt. Mit der Tinte des Schneemanns könnte man aber auch viele Geschichten schreiben, könnte damit Bücher füllen, wie etwa die leeren Seiten der eigenwillig in einem Regal gestapelten schwarzen Bücher. Das gäbe eine Überlagerung von Inhalten, denn die Anordnung der Bücher ist nicht zufällig, vielmehr bildet sie eine Art Meta-Text. Wie der Titel dieser Arbeit schon vorgibt: Es ist alles immer auch a matter of form.

Claudia Märzendorfers künstlerische Praxis beschreibt man vielleicht am besten als Darstellungsversuch eines Moments, der irgendwie aus der Kontrolle geraten und zugleich unmöglich zu sein scheint. Etwas gegen den Strich zu bürsten, eine Perspektive frei von Funktionalität oder Nutzen einzunehmen, ist ein Motor ihrer künstlerischen Produktion. Im Bildraum Bodensee präsentiert die Künstlerin einen Querschnitt ihres Werks. Neu produzierte und bestehende Arbeiten sind hier inhaltlich-formal so miteinander verstrickt wie Emotion und Semantik einer Aussage zusammengehören. Alles in allem ergibt die Ausstellung kollektive Collage eine geschlossene Erzählung mit offenem Ausgang.
- Textauszug: Jeanette Pacher


Vergangene Termine