Literatur

Christoph Höhtker - Das Jahr der Frauen


Was ist zu tun, wenn man von allem endgültig genug hat, der Therapeut aber dennoch Vorsätze für das neue Jahr hören möchte? Frank Stremmer, Anfang vierzig, ausgebrannter deutscher Ex-Pat in Diensten einer illustren internationalen Genfer Organisation, rafft sich zu einem letzten Kraftakt auf: Zwölf Frauen in zwölf Monaten! Ohne Geld, ohne Versprechungen, ohne Perspektiven. Was als Witz, als müde Provokation für seinen Psychologen beginnt, entwickelt sich schon bald zur fixen Idee. Denn am Ende, so hat Stremmer es sich vorgenommen, soll nichts Geringeres stehen als: Die Erlösung. Zwölf Frauen in zwölf Monaten bedeuten für ihn die »Legitimation« zum Freitod. Das Jahr der Frauen, das sind die amüsant-absurden Notate eines Besessenen. Sex als Sterbehilfe, Flirts im Endzeitmodus mit Judith Butler als Stichwortgeberin. Stremmers irrwitzige Jagd durch Online-Portale, Bars und Schlafzimmer endet jedoch nicht in der erhofften Stille, im Frieden leerer Schlaftablettenröhrchen, sondern im Chaos, im blutigen Staub eines afrikanischen Bürgerkriegsstaates. Der finale, frauenlose Akt? Oder gar ein Neubeginn?

Christoph Höhtker, geboren in Bielefeld, Soziologiestudium, Taxifahrer, freier Journalist, Sprachlehrer, Werbetexter. Lebt und arbeitet in Genf. Bislang erschienen: Die schreckliche Wirklichkeit des Lebens an meiner Seite, Alles sehen (nominiert für den Schweizer Buchpreis 2016), Das Jahr der Frauen (auf der Longlist des Deutschen Buchpreises 2017)


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