Kunstausstellung

Christian Mayer - Musis et Mulis


Die mehrteilige Installation verschränkt die Zeitschichtungen des barocken Raumes und der mittelalterlichen Exponate und thematisiert Prozesse kultureller Aneignung und Musealisierung

Musis et mulis - den Musen und den Maultieren: Mit dieser ironischen Bezeichnung kommentierten Berliner Bürger Ende des 17. Jahrhunderts die Tatsache, dass Kurfürst Friedrich III. im Obergeschoss des königlichen Marstalls die Akademie der Künste einrichten ließ. Indem Christian Mayer dieses Motto für seine Intervention aufnimmt, verweist er auf die verschiedenen Nutzungen des Prunkstalls im Verlauf der Zeit – vom Marstall des Prinzen Eugen bis zum Ausstellungsraum bildender Kunst. Seine mehrteilige Installation verschränkt die Zeitschichtungen des barocken Raumes und der mittelalterlichen Exponate und thematisiert Prozesse kultureller Aneignung und Musealisierung wie auch die (Un-)Möglichkeiten der Bewahrung, der authentischen Rekonstruktion oder der symbolischen Aktualisierung. Gezielt greift Christian Mayer in die dichte Präsentation sakraler Bilder ein: So bringt er Stützkonstruktionen aus Holz oder Leinwand zum Vorschein, die auf den Ursprung der Tafeln als beidseitig bemalte Altarflügel hindeuten, die anlässlich ihrer musealen Präsentation um 1900 gespalten wurden.

Zudem transferiert Mayer Holzpfähle, die zu Beginn des 18. Jahrhunderts als unterirdische Stützen des Berliner Stadtschlosses eingesetzt wurden, in Form eines Skulpturenensembles von ihrem ursprünglichen Stütz- in einen Kunstkontext. Symbolische und materielle Transformationen visualisiert er schließlich auch in einer Videoarbeit, die gemeinsam mit den anderen Teilen der Installation eine räumliche Erzählung rund um Konservierung und Beschützung, den Kampf gegen den Zerfall, Entwesung und Verwesung sowie die Vergänglichkeit durch die Zeit bildet.

Unteres Belvedere, Orangerie
Täglich 10 bis 18 Uhr
Mittwoch 10 bis 21 Uhr


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