Pop / Rock

Chra


Christina Nemec ist das, was man auf gut Englisch eine „Renaissance Woman“ nennen würde: Musikerin, Labelbetreiberin, Autorin, DJ und Moderatorin in Funk und Fernsehen. Als Chra navigiert sie die dunklen Wasser zwischen den zu– und voneinander driftenden Kontinenten Techno und Industrial. Bei Mego erschien im Mai ihre LP „Empty Airport“, dem Titel nach deutbar als eine post-apokalyptische, zeremonielle Zertrümmerung von Brian Enos schimmerndem Ambient-Grundstein „Music For Airports“. Diesen Februar wiederum brachte ihr Label Comfortzone Chras Zusammenarbeit mit Sonia Güttler alias sonae heraus: Die „Shirley M“-EP, deren Namen sich dekodiert, wenn im Track „bird trap“ die Stimme von Luise-Pop Sängerin Vera Kropf Shirley MacLaine zitiert: „I want women to be liberated and still able to have a nice ass and shake it.“

Der Feminismus spielt überhaupt eine große Rolle in Chras Werk, siehe etwa ihren Kompositionszyklus „TWELVE that matter“ (2011), ein Tribut an Literatinnen, Musikerinnen, Elektronikpionierinnen und Politikerinnen von Virginia Woolf und Delia Derbyshire über Wendy Carlos bis zu Johanna Dohnal, siehe aber auch ihre Arbeit als Teil des SV DAMENKRAFT (z.B. 2008 in der queeren Burlesque „Orlanding The Dominant“ mit Gustav und Sissy Boyz), ihren Aktivismus bei female pressure oder ihre Version des Schneewittchen-Klassikers „Der Mann, das ist ein Lustobjekt“ auf der „re:composed“ Compilation (2012).

Chra ist zudem noch ein Teil von Shampoo Boy und Pasajera Oscura, sie hat mit Lydia Lunch gearbeitet, für das Projekt Weekly Beats 2014 Tracks für alle 52 Wochen des letzten Jahres geliefert, und findet dabei irgendwie immer noch Zeit, Mistreiter_innen wie Cherry Sunkist oder Crazy Bitch in a Cave bei Comfortzone eine Label-Heimat zu bieten.


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