Pop / Rock

Chilly Gonzales & Kaiser Quartett / Plaza Francia


Liebsein ist nicht gerade die Stärke von Chilly Gonzales, dem 43jährigen, kanadischen Songwriter, der in der Clique von Peaches und Feist rasant zu Weltruhm innerhalb der Gegenkultur aufstieg.

Unvergesslich, für alle die dabei waren, sein Sarkasmus, mit dem er das Radiosymphonieorchester des ORF vor einigen Jahren peitschte. Man spielte Repertoire aus Gonzales Pseudo-Hiphop-Album „The Unspeakable“. Was auf Album mit nur neun Streichern realisiert wurde, ward an diesem Abend mit einem 52köpfigen Orchester aufgebauscht. „Es sind ausgerechnet die auf dem Papier schlechten Ideen, die für mich am besten funktionieren.“ sagte er damals amüsiert.

Er, der sich das Klavierspiel autodidaktisch schon mit drei Jahren beginnend, beibrachte, ist ein Ungestümer am Instrument. Er reizt gerne die Extreme aus. Legendär sind seine beiden Soloalben „Solo Piano“ und „Solo Piano 2“, wo er sich in geistreiche Selbstgespräche verwickelte.

Ein Highlight seiner Discographie ist das 2008 eingespielte „Soft Power“, wo er der Softrock-Ära des Jahres 1978 ein maximal empfundenes Denkmal setzte. Sein Wahnsinn reicht sogar soweit, dass er 2009 in Paris den Weltrekord für das längste Solokonzert aufstellte: er klimperte mehr als 27 Stunden.

Dabei bräuchte er solch spektakuläre Schlagzeilen gar nicht. Er spielte auf den hippsten Alben mit. Etwa auf Daft Punks „Random Access Memory“. Zudem kollaborierte er mit Feist, Jarvis Cocker und dem US-Rapper Drake. Für den weltweiten Apple i-Pad-Launch komponierte er „Never Stop“.

Sein neuestes Album „Chambers“ hat der seit einigen Jahren in Köln ansässige Künstler mit dem Hamburger Kaiser-Quartett eingespielt. Es wurde ein Album, wo romantische Klassik und moderner Pop, Avantgarde und Easy Listening scheinbar mühelos in Fühlung kommen. Man ahnt schon: niemand anderer transponiert die Wesenszüge des Charmeurs und des Dämonen derart überzeugend in die Musik wie er.

line up:
Chilly Gonzales (Piano)
Martin Bentz, Adam Zolynski, Jansen Folkers, Ingmar Süberkrüb (Kaiser Quartett)
Joe Flory (Drums)

Plaza Francia

Jahrzehntelang war Catherine Ringer das wilde Mädchen von Les Rita Mitsouko. 1980 formierte sich dieses Avantgarde-Pop-Projekt, das mit Genres wie Funk und Punk, Jazz und Elektronik herumspielte, als handle es sich um Plastilin.

Perfektion war kein Wert für diese Band. Die schrille Kombo ließ ohne Angst das innere Kind von der Leine. Zu ihren Welthits zählten so unterschiedliche Stücke wie „Marcia Bailé“, „C´est Comme Ca“ und „Cool Frénésie“. Erfolgsgeheimnis war die Schreibgemeinschaft von Sängerin Catherine Ringer, die auch Synthesizer, Bass und Trompete spielt, und Schlagzeuger und Gitarristen Fréderic Chichin.

Angstfrei mischten die beiden ihre höchst unterschiedlichen Ideen. Im November 2007 starb Chichin an Krebs. Damit war eine der längsten, französischen Erfolgsgeschichten auf der Weltbühne des Pop leider zu Ende. Nach einer angemessenen Zeit des Rückzugs kehrte Catherine Ringer im Vorjahr mit einer spektakulären Kombo zurück.

Ihre ungeteilte Liebe gehört nun dem Tango, dieser hemmungslos sentimentalen, aber auch überaus sinnlichen Musik aus Argentinien. Nicht grundlos sagt man über diesen Tanz, er wäre der vertikale Ausdruck eines horizontalen Verlangens. „Plaza Francia“ heißt die neue Kombo, die Ringer gemeinsam mit Eduardo Makaroff und Christoph H. Müller, beide von den nicht ganz unbekannten Gotan Project, gegründet hat.

So hingebungsvoll wie auf den vierzehn Lieder von „A New Tango Song Book“ hat man Ringer noch nie singen gehört. Wehmut und Beharrungswille, Sehnsucht und Resignation – jede Schwierigkeit, aber auch jede Lustbarkeit wird von diesem Tango eingekreist und letztlich in musikalische Harmonien aufgelöst.

line up:
Catherine Ringer (Lead Vocals)
Christoph H. Müller (Keyboards)
Eduardo Makaroff (Guitars, Vocals)
Facundo Torres (Bandoneon)
Romain Lecuyer (Double bass / Electric bass)


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