Kunstausstellung · Fotografie Ausstellung

Mario Marino: Children of Africa


Mario Marino suchte nach archaischen Riten, kulturellen Ursprüngen und inter-ethnischen Codierungen, die sich im Süden Äthiopiens in einer einzigartigen Vielfalt erhalten haben. Ethnologen orten das Gebiet als „Wiege der Menschheit.“

„DIE STIMME DES FOTOGRAFEN IST DAS BILD. FOTOGRAFIERTE PSYCHOGRAMME VOM UBUNTU-KONTINENT“
Der Kunstcharakter der Fotografie war lange Zeit umstritten. Dass Fotografie eine Kunstform ist, wird jedoch seit der Stilrichtung des Pictorialismus um die Wende zum 20. Jahrhundert nicht mehr bezweifelt. Ein Medium voll virtueller Vitalität, in dem sich der Zeitgeist am unverkennbarsten widerspiegelt. Die Fotografie hat seit ihrer Erfindung nichts an innovativer Energie und Popularität eingebüßt. Trotz aller technischen und formalen Veränderungen haben Fotos eines gemeinsam: Sie hypnotisieren für einen kurzen Zeitraum und öffnen aus der Realität, die uns permanent umgibt, eine kleines, zweidimensionales Fenster. Innerhalb dieses Fensters sind den Ambitionen kaum Grenzen gesetzt.
Mario Marinos Fotografien sind Kinder-Porträts, die dem Betrachter ein Fenster in eine verborgene Welt öffnen. Die Kinder sollen im Betrachter die Sehnsucht nach einer glücklichen Kindheit und Tatkraft für die Kinder Äthiopiens entstehen lassen. Bisweilen sind beim Anblick der Porträts von Mario Marino auch ästhetische Glücksmomente inbegriffen …

Mario Marino suchte nach archaischen Riten, kulturellen Ursprüngen und inter-ethnischen Codierungen, die sich im Süden Äthiopiens in einer einzigartigen Vielfalt erhalten haben. Ethnologen orten das Gebiet als „Wiege der Menschheit.“
Drei Tage braucht der Jeep von Addis Abeba bis in das Flusstal des Omo. Die Strecke misst nur tausend Kilometer, doch katastrophale Straßenbedingungen, beißende Hitze und unvorhersehbare Ereignisse machen die Autofahrt zu einer unkalkulierbaren Expedition. Als der österreichische Fotograf Mario Marino in diese Region aufbrach, war es ein unerwarteter Wolkenbruch, der sein Vorhaben beinahe gestoppt hätte.
Sie fühlen sich durch den 2003 gemachten Fund von drei 160.000 Jahre alten Menschenschädeln in ihrer Recherche bestätigt. Das hat die Tourismus-Branche hellhörig gemacht und Reiseveranstalter vermarkten die Gegend inzwischen als „lebendiges Museum“. Billigkleidung, Plastikmüll und Alkoholmissbrauch breiten sich aus und es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch diese noch intakten Kulturen der Vergangenheit angehören. Marino nahm diese existenziellen Veränderungen als Impuls und entwickelte ein Afrika-Projekt, das sich in drei Werkgruppen über mehrere Jahre mit Ethnien aus Äthiopien, Kenia und Tansania beschäftigt. Im Flusstal des Omo, dem ersten Abschnitt seines ambitionierten Vorhabens, suchte er sieben Volksgruppen auf, wählte seine Protagonisten auf Straßen und Märkten aus und stellte sie in ihrem alltäglichen Habitus vor die Kamera. Individualität und ethnische Verwurzelung waren seine Auswahlkriterien, doch vor allem, so sagt er, faszinierte ihn der unverbrauchte und von den Medien noch unberührte Blick, den ihm die Menschen entgegen brachten. Die Fotos entstanden unter improvisierten, Jahrmarktsbuden-zauberähnlichen Produktionsbedingungen. Oft sah sich Marino umringt von einer neugierigen, erregt gestikulierenden Menschentraube, sodass er die Linie zwischen seinem Objektiv und der zu porträtierenden Person nur mühsam frei halten konnte.


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