Diverse Musik

Charlemagne Palestine - Carillon


Charlemagne Palestine, Jahrgang 1945, ist so etwas wie das Enfant terrible der amerikanischen Avantgarde. Er gehört zu den Pionieren der Minimal Music. Schon als Kind liebte er es, in der Synagoge lang ausgehaltene Drones = Grundtöne zu singen. Später ausgebildet als Kantor, spielte er bereits im Alter von 16 Jahren das Carillon der Episkopalkirche neben dem Museum of Modern Art in New York.

Von Beginn an faszinierte ihn die physische Qualität und körperlich spürbare Wucht des Glockenklangs. Palestine entwickelte eine eigene Spieltechnik für die Tasteninstrumente Carillon, Orgel und Klavier – Strumming, d.h. das schnelle und polymetrische Repetieren von Tastenanschlägen, erlaubt den Aufbau von mächtigen, flirrenden Klangwolken mit extrem reicher und variabler Fülle an Obertönen.

Das 48 Glocken umfassende Carillon im Dom zu St. Jakob in Innsbruck – das größte in Österreich – hat sicherlich noch nie vorher ähnlich geklungen. Gewöhnlich umgibt sich Charlemagne Palestine mit einer Sammlung bunter, dreigesichtiger Plüschbären, die er in der Art eines Altars anordnet. Auch eine Flasche Cognac darf nicht fehlen. Schade nur, dass dieser Anblick den Zuhörern auf den Liegestühlen vor dem Dom wohl verborgen bleiben wird, weil sich der Spieltisch des Carillons unsichtbar hoch oben im Turm befindet. Schwindelfreiheit ist beim Carilloneur gefragt!


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