Pop / Rock

Camera


Weil die Berliner Band anfänglich am liebsten ohne Erlaubnis in U-Bahnhöfen oder sonstigen öffentlichen Plätzen (etwa auf dem Herrenklo bei der Echo-Verleihung) ihre Konzerte spielte, hat man sie öffentlichkeitswirksam „Krautrock- Guerilla" getauft.

Aber das mit dem Krautrock bleibt eben ein Etikett. Gern wird es einer Band angepappt, weil man mit einer namenlosen Musik sonst nicht weiß, in welche Schublade man das nun stopfen soll. Den Sound der alten Krautrockbands wollen Camera jedenfalls nicht nachstellen. Keineswegs hat man da vorab unentwegt NEU! oder Can gehört. „Es ist vielleicht nur der gleiche Ansatz", sagt Keyboarder Timm Brockmann, „einfach drauflosspielen und sich treiben lassen." Und dabei kann man mit Keyboard, Schlagzeug und Gitarre immer noch zu so motorisch-energiegeladenen Klangstrecken voller psychedelischer Obertöne kommen, wie es eben etwa auch vor 40 Jahren die Pionierbands des deutschen Krautrock taten. Ohne dass dabei etwas nachgeäfft oder kopiert wird.

Die Band äfft sich ja nicht einmal selbst nach. Was nur ein Stillhalteabkommen wäre, mit dem man nicht wirklich weiterkäme. Auch bei Prinzipien geht es um prinzipielle Erweiterungen. Das mit dem Überall-Spielen etwa, das meint bei der Band eben nicht mehr nur die spontanen Konzerte auf den Straßen Berlins. Sondern, schon weiter ausgegriffen, das internationale Parkett. Camera-Konzerte gab es mit dem ersten Album „Radiate!" (2012) im Gepäck in Russland genauso wie in den USA. Und während man bei „Radiate!" schlicht die Improvisationen der Band im Studio festhielt, haben Timm Brockmann und Schlagzeuger Michael Drummer mit wechselnden Gitarristen und anderen Gastmusikern jetzt bei „Remember I Was Carbon Dioxide" auch manches bei den Jams noch einmal durchgearbeitet und überhaupt die Möglichkeiten eines Studios als weitere Reflexionsschleife genutzt. Ohne bei dieser Arbeit den prinzipiellen Willen zur Improvisation - das, was Camera doch ausmacht - zu denunzieren.

Man hört: den hypnotischen Beat. Eine sich treiben lassende, antreibende und in die Trance spielende Musik. Man hört eine flirrende Eleganz, drängende Garagenrock-Zwischenschübe, ruhiges Fließen und sphärische Abflüge. Und man hört, wie es immer weitergeht, auch noch hinter dem Horizont dieser Musik. Ein Suchen, ein Forschen, ein Verlangen. Und weil sich Camera etwas trauen, ist das auch - man höre zum Beispiel „Hallraum", den letzten Titel auf ihrem neuen Album - ein Suchen, Forschen, Verlangen nach Schönheit. Mit der man wenigstens doch mal spielen will.

Wer unbedingt will, darf weiter Krautrock dazu sagen.

support: DEAD END FRIENDS


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