Pop / Rock

Buntspecht / Say Yes Dog



Buntspecht

Hurra, das zweite Buntspecht-Album ist da! Es heißt "Draußen im Kopf", und bereits die erste Single daraus ist eine fesselnde Hymne aus der Abteilung Alien-Pop. "Unter den Masken", so der Titel, zeigt ganz neue musikalische Seiten der jungen Band aus Wien, die sich im Vorjahr bereits in die Herzen Tausender Konzert- und Festivalbesucher im gesamten deutschsprachigen Raum gespielt hat.

Die unglaublich ansteckende, positive Energie der Buntspecht-Liveshows, diese musikalische Glücksdusche, der sich weder Kopf, noch Bauch, noch Tanzbein zu entziehen vermag, findet mit den Aufnahmen zu "Draußen im Kopf" eine willkommene Fortsetzung. Mit "neuen" Instrumenten wie dem Piano, überraschendem Songwriting und ebensolchen Arrangements, bezeugt die Single "Unter den Masken", dass der nächste Reiseabschnitt in der noch jungen Expedition Buntspecht bereits begonnen hat. Das spektakuläre Video dazu hat die Band gleich selbst gedreht, und das soll auch bei allen weiteren Videos zum Album so sein. Songs, Texte, Fotos, Cover-Artwork, Videos, das alles entsteht und geht hier Hand in Hand im Mikrokosmos dieses Künstlerkollektivs.

Die 6er-Bande, deren Repertoire keine Grenzen und Genreschubladen zu kennen scheint, sprengt sich dabei vergnüglich durch alle Betonmauern, um Platz für ihren eigenen Sound zu kreieren. Von atmosphärischer Musik für Filme, die es (noch) nicht gibt, über Kinderlieder für Entwachsene, reicht ihre Musik bis hin zu orchestralen Balladen. "Lass uns alles vermischen", scheint das Motto der Wiener zu sein, die eher gestrandeten Piraten oder verrückten Seiltänzern gleichen, als einer klassischen Band.

Es wäre auch zulässig, das alles als Indie-Pop mit Punk-Charakter zu bezeichnen, lauerte da nicht gleich wieder die Gefahr sich einer (jedenfalls) falschen Schubladisierung auszusetzen. Die Stücke auf dem Album bewegen sich zwischen Ekstase und Melancholie, traumwandlerisch zwischen den unterschiedlichsten Welten. Die Diversität der Dinge kann so faszinierend sein, ihre Grenzen so verschwimmend: Alles darf. Alles soll. Alles muss!

Say Yes Dog

Viel ist passiert, seitdem Say Yes Dog erstmals als der Elektro-Pop-Geheimtipp gehandelt wurden und als Luxemburgs Export-Künstler abräumten. Es folgten Einladungen auf Festivals nach Indien, Korea oder Vietnam, und die Band packte ihre Koffer: Auf der Suche nach seltenen Synthesizern trafen sie den ehrwürdigen Mister Kobayashi in Japan, durchquerten die goldenen Opiumfelder, den Krokodilsee und den Dschungel Vietnams und erhielten eine Audienz beim King of Accra in Ghana, die beinahe im Gefängnis endete. In der Wüste von Rajasthan schlürften sie Drinks mit einem Prinzen, und in Seoul verloren sie sich auf der Suche nach Tarantinos Lieblingsbar.

Was wie ein Plot aus einem Abenteuerfilm klingt, haben Aaron, Pascal und Paul wirklich erlebt und in ihr neues Album miteinfließen lassen: "Voyage" heißt dieses treffenderweise und ist einerseits inspiriert durch die unvergesslichen Reisen und Geschichten, die die drei Bandmitglieder in den letzten Jahren miteinander erlebt haben. Andererseits bezieht sich der Titel auf die große Begeisterung für die 80er Space Nostalgia Ästhetik, die sie 2019 durch einen klaren Synthwave Sound und spannende kosmische Analogien musikalisch und thematisch miteinfließen lassen.

So entsteht ein sehr aufgeräumtes, minimalistisches und ehrliches Album, was auch die Kernaussage von "Voyage" auf den Punkt bringt: Say Yes Dog sind weit gereist, weit gekommen - und jetzt genau da, wo sie sein sollten. In ihrer eigenen Galaxie des kunstvollen, herzwärmenden Elektro-Pops mit punktuellen Twists und ganz viel musikalischer Weitsicht.