Vortrag

Bruno Baumann – Himalaya


Klöster, Schamanen, Sherpas und Götterberge: faszinierende Einblicke in die „höchste Fußgängerzone" der Welt.

Am Anfang war das Wasser. Bevor der Mensch war oder die Schöpfung, ja selbst noch bevor die Götter geboren waren, bedeckte das Urmeer alles. Der Überlieferung zufolge erhob sich ein gewaltiger Sturm, der aus dem Nichts kam, und den kosmischen Ozean zu riesigen Wellen aufwarf. Die Wellen erstarrten zu Erde und so wuchs der Himalaya von Stockwerk zu Stockwerk in die Höhe.
Diese uralten Mythen, so wissen wir heute, wurzeln in geologischen Tatsachen. Vor vierzig Millionen Jahren war dort wo sich das höchste Gebirge der Erde auftürmt flacher Meeresboden, bedeckt von den Fluten des Tethysmeeres. Dann ereignete sich ein folgenschwerer interkontinentaler Auffahrunfall. Der Scholle des indischen Subkontinentes driftete nach Norden und kollidierte mit dem eurasischen Kontinent. Als Folge des Zusammenstoßes faltete sich der Himalaya auf, ein Gebirge der Superlative.
„Hundert göttliche Zeitalter reichen nicht aus, um alle Wunder und Herrlichkeit des Himachal zu beschreiben“, heißt es in einer alten indischen Schrift. Man muss einmal das Himalaya-Massiv gesehen hat, von den Tiefländern aus, wie es sich über den Dunst der Niederungen erhebt, majestätisch, rein und klar in den Himmel aufsteigend, dann wird man verstehen, dass die Inder ehrfürchtig zu seinen Gipfeln aufblickten, diese mehr dem Himmel als der Erde zuordneten und als Wohnsitze ihrer Götter verehrten. Von dort kommen die Flüsse – Indus, Ganges, Brahmaputra – von denen Millionen und Abermillionen Menschen abhängig sind. Von dort kommt das Leben.

Bruno Baumann ist den alten Wegen auf der höchst gelegenen Fußgängerzone der Welt gefolgt; entlang der alten Salzstraße nach Mustang, über den Nangpa La, dem Weg der Sherpa, von Tibet nach Nepal, durch den „Grand Canyon“ des Himalaya nach Guge. Er besucht Klöster und Feste in Ladakh und erkundet Bhutan, wo Natur- und Kulturschutz an erster Stelle stehen und der Fortschritt nicht am Bruttosozialprodukt, sondern am Bruttosozialglück gemessen wird. Im Rahmen der Durchquerung von Nepals „wildem Westen“ wird er Zeuge lebendigen Schamanismus, in Mustang zählt er zu den ersten Ausländern, die der Raja nach der Öffnung des Landes in seinem Palast in der mittelalterlich anmutenden Stadt Lo Manthang empfängt, in Bhutan steigt er zur Zeit der Rhodendronblüte zum Fuße des Götterberges Chomolhari auf.


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