Theater

Brassed Off


Das kommt ja vor: Ein Kohlenbergwerk ist nicht mehr rentabel und soll dicht gemacht werden. Doch für die betroffenen Bewohner der kleinen Industriestadt war das Werk seit Generationen ebenso Existenzgrundlage wie Quelle des Selbstbewusstseins.

Ihr ganzer Stolz ist die vom pensionierten Danny mit strenger Hand geführte traditionsreiche Blaskapelle. Als die Konzernleitung mit der Schließung Ernst zu machen beginnt, gerät auch die Betriebsmusik zunehmend aus dem Takt. Die Untergangspanik erfasst alle Lebensbereiche, Ehen drohen zu scheitern, Familien zu zerbrechen, Kredite platzen. Und dann bewirbt sich auch noch die attraktive Gloria als erstes weibliches Mitglied für die Band und sorgt damit für weitere Unruhe …
Während die Frauen der Kumpel, sich gegen die Lethargie Ihrer vom Jobverlust gelähmten Männer und den sozialen Abstieg wehren, hält der Kapellmeister unbeirrt von der grauen Realität und der noch düstereren Zukunft seiner Bläser an seinem Plan fest, das Finale des Nationalen Blasmusikfestes zu erreichen und nicht einfach geräuschlos unter zu gehen.
Mark Hermans Film BRASSED OFF wurde 1997 bei Kritik und Publikum zu einem der größten britischen Kinoerfolge des Jahres. Auch die Bühnenadaption von Paul Allen zeichnet sich durch schrägen, schlagfertigen Humor, erfrischende Direktheit und menschliche Wärme aus. verbindendes Element im Stück ist die Musik.
BRASSED OFF auch ein Stück über Solidarität und Würde in Krisenzeiten. An der Seite des Stadttheaterensembles steht erstmals die Blasmusik Mödling, die Live für den richtigen Sound sorgt und dieses riesige Stück mit über 30 Mitwirkenden zu einem einmaligen Community-Projekt machen wird!

KRITIK
Ein paar Minenarbeiter wollen ihren Bossen gehörig den Marsch blasen. Da sie aber nicht verstehen, dass es sich dabei um eine Redewendung handelt, greifen sie zu richtigen Blasinstrumenten. Das wäre die Kurzfassung einer Comedy-Version dieses neuesten Bühnenstücks an der Wiener Scala (welches übrigens auf Mark Hermans gleichnamigem Film von 1996 basiert). Nach Scherzen ist den Bergleuten allerdings nicht zumute, denn ihnen ist klar, dass sie ihren Arbeitsplatz bald verlieren werden: die Mine soll geschlossen werden, obwohl sie weiterhin rentabel wäre; doch der Firma ist das egal, denn die hat andere Pläne - und außerdem ist die Konzernleitung vermutlich absolut unmusikalisch. Das kann man von den Kumpels nicht behaupten, denn als Ausgleich zur Arbeitsmisere spielen sie in ihrer Bergwerkskapelle, geleitet von Georg Kusztrich in einer eindrucksvollen Hauptrolle als unverdrossen musikgläubiger Ex-Bergarbeiter Danny, den sogar eine kaputte Lunge nicht daran hindern kann, zum großen Musik-Finale zu erscheinen und obendrein gewichtige Worte zu finden, von denen alle überrascht werden.
Wolfgang Fahrner und Jacqueline Rehak geben allen Widerständen zum Trotz ein gutes Paar ab. Bernie Feit und Leopold Selinger verkörpern zwei patente Minenarbeiter, deren Musikbegeisterung höchstens von der Liebe zum Bier übertroffen wird (da sie in einer Zeche arbeiten, sind sie halt auch große Zecher), während Christina Saginth und Sybille Kos ihre resoluten Ehefrauen spielen, die sich einmal sogar zu uns ins Publikum verirren, um als Fan-Girls ihre Lieblingsband anzufeuern. Und die wird garantiert auch zu unserer Lieblingsgruppe, denn was wäre dieser Abend ohne die BlasMusikMödling? Selbst beim schlimmsten Sauwetter packen diese Musiker ihre Instrumente zusammen und fahren nach Wien, um dort dermaßen aufzuspielen, dass uns die tollen Töne nur so um die Ohren fliegen – und wenn nötig, weil es das Stück vorschreibt, werden sie sogar zu professionellen Falschspielern. Gegen Ende drücken sie dann noch einmal gehörig auf die Tuba (und was sie sonst noch so in Händen haben): immerhin schaffen sie es, unter dem Namen „Grimley Colliery Brass Band“ bei einem Wettbewerb in der Royal Albert Hall den ersten Platz zu belegen.
So vielseitig wie das Ensemble ist auch das Bühnenbild geworden. Es verbreitet auf den ersten Blick die triste Backsteinödigkeit eines britischen Bergwerksstädtchens, verwandelt sich aber im Bedarfsfall blitzschnell in den Innenraum eines Hauses, ein Krankenzimmer oder einen Konzertsaal. Das funktioniert alles reibungslos schnell und auch ansonsten gibt es arbeitstechnisch hier nichts zu beanstanden, denn es herrscht die perfekte Aufgabenverteilung - die einen spielen Schau, die andern Instrumente und man kann es gar nicht laut genug hinausposaunen: Regisseur Bruno Max und seinem Team ist mit „Brassed off“ eine theatralisch-musikalische Glanzleistung gelungen. (Erzählen Sie das ruhig auch Ihren Kumpels ober und unter Tage weiter.)
franco schedl

Inszenierung: Bruno Max
Musikalische Leitung: Max Paul
Bühne: Walter Vogelweider
Kostüm: Alexandra Fitzinger

Es spielen:
Eszter Hollosi, Sybille Kos, Jacqueline Rehak, Christina Saginth, Carina Thesak, Wolfgang Fahrner, Bernie Feit, Christian Kainradl, Georg Kusztrich, Leopold Selinger u.v.m


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