Literatur

Bosnien - Geschichten aus der dunklen Welt


Anknüpfend an die Premiere "Die Schüsse von Sarajevo" findet auf der Probebühne am 7. und 8. April eine Lesung mit bosnischer Literatur quer durchs 20. Jahrhundert statt. Es lesen Sandra Cervik, Alma Hasun, Herbert Föttinger und Florian Teichtmeister.

"Dunkle Welt" ist die am häufigsten gebrauchte metaphorische Bezeichnung für Bosnien. Wann immer jemand auf dem Balkan mit ebensoviel Leidenschaft wie Unkenntnis über Bosnien redet, ohne das Land beim Namen nennen zu wollen, dann spricht er von der dunklen Welt. Und seine Gesprächspartner wissen so genau, was er meint, als hätte er Bosnien gesagt.

Das ist auf jeden Fall seit Anfang des 20. Jahrhunderts so, und vermutlich war es früher nicht anders.

Hat sich nicht das kurze 20. Jahrhundert im Wesentlichen zwischen zwei Brücken in Sarajevo abgespielt? Es begann bekanntlich am 28. Juni 1914 auf der Lateinerbrücke mit der Ermordung des österreichischen Thronfolgerpaars und endete am 6. April 1992, vier Brücken flussabwärts, auf der Vrbanjabrücke. An diesem Tag wurden die zwei Studentinnen Suada Dilberović und Olga Sučić ermordet. Wieder zwei Opfer, wieder eine Brücke in Sarajevo und wieder ein Krieg, mit dem etwas Neues begann.

Wo zeigt und entwickelt sich die Geschichte schon so stürmisch, verdichtet und grausam wie in Bosnien? Kann man das Schicksal Bosniens verstehen, ohne wenigstens ein bisschen was über diese dunkle Welt in Erfahrung zu bringen?
(Dževad Karahasan)


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