Tanz

Boris Charmatz / Musee de la Dans - Danse de Nuit


Ein nächtlicher Tanz im urbanen Raum!

Ein Platz im Freien, nahe den Straßen und Lichtern der Stadt, sechs Tänzerinnen, minimale Ausstattung. Ein atemberaubender Tanz, Körper, die sich ohne jede Zurückhaltung berühren, während die Tänzerinnen verbale Improvisationen von sich geben, eine Art Beatboxing ohne Beat. Reflexionen über die politische Kunst des Cartoons, über Humor und Gefahr, über die Zeit des Zeichnens verglichen mit der Zeit des Tanzens, dargeboten in hoher Geschwindigkeit.
Aufbauend auf der Trilogie aus den drei groß angelegten Choreografien Levée de conflits, enfant und manger, die sich den überlagernden Effekt aus Aktion und körperlicher Einschränkung zunutze machten, kehrt Boris Charmatz hier zu einer straffen Struktur zurück, die Tanz, Sprechen und Bewegung in höchst verdichteter Form präsentiert. Er schöpft darüber hinaus aus der Intensität des urbanen Tanzes, bricht oder dekonstruiert dabei allerdings all ihre Codes. Seine Forschungen über die Schnittstelle von Bewegung und Sprache fortsetzend, verbindet er diese sprechenden Körper mit einem Verstärker, der eine direkte Verbindung zur Außenwelt hat. danse de nuit könnte als Kommando von Tänzer_innen an den Grenzen des öffentlichen Raums gesehen werden, das den Auftrag hat, an die eigenen Grenzen zu gehen und alle Widersprüche, die sich manifestieren, zu spiegeln. In der Gruppe oder einzeln für sich, versuchen sie etwas über unsere Situation zum Ausdruck zu bringen und eine Art „Ausnahmezustand“ in ihren Körpern entstehen zu lassen. Ein gemeinsames Empfinden von Intensität zu entwickeln, um sich greifen zu lassen. Fragmente von Wörtern und Sätzen auszustoßen, auf die Gefahr hin, dass diese verzerrt, missverstanden werden. Dabei wird das dringliche Bedürfnis evident, diesen Raum, der von staatlicher Logik beschlagnahmt wurde, wieder in Besitz zu nehmen. Irgendwo zwischen griechischem Agon und Agonie verortet, zwischen Protest und Trauermarsch, wildem Remix und flüchtigem Tanz, kann danse de nuit als hastig hingekritzelte Zeichnung verstanden werden, als unvollendetes Graffiti auf einer Wand, als Botschaft, deren Echo durch die Nacht hallt.

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INTERPRETATION : Ashley Chen, Olga Dukhovnaya, Julien Gallée-Ferré, Peggy Grelat-Dupont, Jolie Ngemi, Marlène Saldana

Der Tänzer und Choreograf BORIS CHARMATZ präsentierte angefangen von Aatt enen tionon (1996) bis hin zu manger (2014) eine Reihe höchst einprägsamer Stücke. Trotz seiner ausgedehnten Tourneen nimmt er auch regelmäßig an Improvisationsveranstaltungen mit Saul Williams, Archie Shepp und Médéric Collignon teil und performt mit Anne Teresa De Keersmaeker sowie Tino Sehgal.
2011 war er assoziierter Künstler beim Festival dʼAvignon. 2013 wurde er an das MoMA, New York, eingeladen und 2015 mit dem Projekt If Tate Modern was Musée de la danse? an die Tate Modern, London. Seit 2009 ist er Leiter des Rennes and Brittany National Choreographic Centre (Frankreich), das er zu einem Tanzmuseum (Musée de la danse) neuer Prägung umwandelte. Das Museum initiierte unter anderem folgende Projekte: préfiguration, expo zéro, rebutoh, brouillon (Entwurf), 20 Dancers for the XX Century, Fous de danse (Verrückt auf Tanzen) sowie Petit Musée de la danse.


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