Literatur

Bora Ćosić - Die Tutoren


Übersetzung: Lidija Klasic

In Jahren des Publikationsverbots und der inneren Emigration schrieb Bora Ćosić an einem großen europäischen Werk: Der lange als unübersetzbar geltende Roman „Die Tutoren“, in den 70er Jahren entstanden, ist nun endlich auf Deutsch zu lesen: ein Feuerwerk aus Wortspielen, Stilbrüchen, Sprachwitz und Komik, zugleich von tiefem Ernst.

Zentrum des Romans bildet eine in Slawonien angesiedelte Familienchronik, die in vielfältiger Weise und in immer neuen Anläufen erzählt wird: in Form eines Lexikons, als Beratungsgespräch in einer Buchhandlung oder anhand einer Rauferei in einer Kneipe. Alles wird auf- und eingesammelt, alles dient dem Blick auf die Verrücktheit der Welt. Dinge des Alltags zeigen sich von ihrer kuriosesten Seite. Bora Ćosić bietet auf, was nationalistische Mythen und Ideologien in ihrer ganzen Lächerlichkeit erscheinen lässt, und spannt dabei einen weiten Bogen über 150 Jahre europäischer Geschichte. „Und doch, was ich in meiner fröhlichen Einsamkeit schriftlich auszuarbeiten begann, war kein Familienroman, sondern eine Sottie über die Sprache. Kein Volk, das stand für mich fest, spricht seine eigene Sprache, sie sprechen alle eine fremde Sprache, ihnen übergestülpt, voll vorgefertigter Floskeln. (…) Diese Nicht-Sprache, diese Wider-Sprache, diese Tutoren nachgeschwatzte Sprache begann ich also zu erkunden“ (Bora Ćosić im Nachwort zum Roman).

Bora Ćosić, 1932 in Zagreb geboren, gehört mit mehr als 30 Prosa- und Essaybänden zu den großen europäischen Schriftstellern. Er lebt in Berlin und Rovinj. Für sein Werk erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, u.a. den Internationalen Stefan-Heym-Preis und den Leipziger Buchpreis zur europäischen Verständigung. „Die Tutoren“ ist in der Übersetzung von Brigitte Döbert im Verlag Schöffling erschienen.
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