Theater

Bloomsday 2015


Der Nino aus Wien und Natalie Ofenböck, beide Triest-Kenner und Opfer des starken Meereswindes, begeben sich auf die mediterranen Spuren des irischen Dichters und untersuchen, wie sich die Bora auf sein Schreiben ausgewirkt hat. Ihr Programm besteht aus Liedern, Gedichten und unberechenbaren Vermutungen.

Mit Slow Forward (Lucias Blut Erguss), Richard Wall (mouth music), Meinhard Rauchensteiner (Nackte Mäuse
für Alle), Nino aus Wien & Natalie Ofenboeck (Joyce in Triest) und Walter Eckhart (bohemic organic absinth).

In Irland ist der Bloomsday – ein Fest zu Ehren des Schriftstellers James Joyce – zum touristischen Event verkommen. In der Augartenstadt wird der Bloomsday so gefeiert, dass das anarchistische, surrealistische Fluidum seines Werks zum Ausdruck kommt und sich, gemischt mit dem Duft gebratener Nieren, auf den Gaußplatz legt. Joyce hätte die Konstellation, die hier, am Hauptplatz der Augartenstadt, vorzufinden ist, sehr geschätzt. Vielleicht hätte er hier nicht nur «deutsch und dänisch» gelernt, wie er es von seinem Triest-Aufenthalt sagte, sondern zusätzlich noch Jiddisch.

Lucias Blut Erguss | Tanz- und Klangperformance der Tanzgruppe Slow Forward mit dem rätselhaftesten Instrument der österreichischen Musik der Moderne, der Schrillen Marille, der unter anderem die Idee der Zerstörung des Prinzips Serienproduktion zugrunde liegt – in Analogie zur Unvermarktbarkeit vieler Joyce-Texte. Ein Stück zur Erinnerung an James Joyce’ Tochter Lucia, die Tänzerin war.

Mouth Music | Richard Wall, Künstler und Schriftsteller aus Oberösterreich, bringt der Bloomsday-Community eine spezifische Seite des irischen Jahrhundertliteraten nahe. An der tiefen Armut in Irland litten auch die Musiker der Insel. Aus dem Verkehr gezogene Instrumente konnten oft aus Geldmangel nicht ersetzt werden, sodass sich die Tradition der Mouth Music entwickelte. Es kam zu genialen stimmlichen Imitationen des Klangs von Fiedeln, Akkordeons, Dudelsäcken und Maultrommeln. James Joyce war ein guter Sänger, und die Songs der Mouth Music kommen auch in seinem Werk vor. Der Vortrag des Joyce- und Irlandexperten ist mit Hörproben gespickt.

Nackte Mäuse für Alle | Während der Vorlesung Walls brät Mag. Meinhard Rauchensteiner, Kulturberater des Bundespräsidenten Heinz Fischer, auf seinem Elektrokocher Schweinsnieren mit Zwiebeln (im deutschsprachigen Gebiet auch «Nackte Mäuse» genannt) und lässt sie anbrennen. Was diese inneren Organe mit Bloom zu tun haben, erfahren die BesucherInnen beim Verzehr nach der Vorlesung.

Joyce in Triest | »In diesen neun Monaten habe ich ein Kind gezeugt, fünfhundert Seiten an meinem Roman geschrieben, drei meiner Geschichten verfasst, ziemlich gut deutsch und dänisch gelernt, die für mich unerträglichen Pflichten meines Berufs erfüllt und zwei Schneider übers Ohr gehauen», berichtet James Joyce über seinen Aufenthalt in Triest, wo er Teile des »Ulysses» schrieb. Der Nino aus Wien und Natalie Ofenböck, beide Triest-Kenner und Opfer des starken Meereswindes, begeben sich auf die mediterranen Spuren des irischen Dichters und untersuchen, wie sich die Bora auf sein Schreiben ausgewirkt hat. Ihr Programm besteht aus Liedern, Gedichten und unberechenbaren Vermutungen.

Absinth-Verkostung | Es ist schon Tradition, dass der burgenländische Biobauer Walter Eckhart seinen Bio-Absinth zum Verkosten mitbringt!


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