Kunstausstellung · Fotografie Ausstellung

Bitter Oranges. African Migrant Workers in Calabria


Die Sonderausstellung ist das Ergebnis eines dreijährigen fotografischen und ethnografischen Forschungsprojekts und dokumentiert analytisch die Arbeits- und Lebensbedingungen der migrantischen Erntehelfer auf den Zitrusplantagen in Süditalien.

Von November bis Februar ist die Haupterntezeit für die Orangen und Clementinen in der Ebene um Rosarno in Kalabrien – Hochsaison für die afrikanischen Erntearbeiter, die zumeist als Bootsflüchtlinge über die Insel Lampedusa nach Europa kamen. Die Bauern zahlen schlecht und legale Arbeitsverträge gibt es kaum. Auf Gedeih und Verderb ausgeliefert, können die Arbeiter an einem 12-Stundentag kaum mehr als 20 Euro verdienen. Die meisten finden nicht jeden Tag Arbeit, denn die Konkurrenz ist groß. Sie müssen in Notunterkünften am Rande der Stadt leben, an deren Rändern sich Slums aus plastikverstärkten Kartonbehausungen ausbreiten.
Gemeinsam mit der Fotografin Carole Reckinger forschten die Anthropologen Dr. Diana Reiners und Prof. Dr. Gilles Reckinger in Rosarno, um die Lebensbedingungen der Migranten verstehen zu lernen und ihre sklavenähnlichen Arbeitsverhältnisse in den öffentlichen Blick zu rücken. In der Ausstellung von Fotografien und Lebensgeschichten eröffnen sich den Besucher_innen sensible Zeugnisse einer Lebenswelt, die von extremer Armut und sozialer Ausgrenzung, aber auch von gegenseitiger Unterstützung und Zusammenhalt geprägt ist.

Carole Reckinger arbeitete seit ihrem Studium (Internationale Politik, Südost-Asien-Studien und internationales Recht, School of Oriental and African Studies, London) unter anderem in Osttimor, West-Papua und den Philippinen. Sie interessiert sich für die Realität derer, die von der internationalen öffentlichen Aufmerksamkeit systematisch ausgeblendet werden.

Gilles Reckinger ist Professor am Institut für Geschichtswissenschaften und Europäische Ethnologie der Universität Innsbruck. In seiner Arbeit beschäftigt er sich mit der Alltagswelt der Menschen an der europäischen Peripherie und den Auswirkungen europäischer Migrations- und Grenzschutzpolitik.

Diana Reiners studierte in Graz, Quebec, Montreal und Genf. Als wissenschaftliche Mitarbeiterin und Lehrbeauftragte für Soziologie und Europäische Ethnologie an den Universitäten St. Gallen (CH), Graz (A), Innsbruck (A) und Bozen (I) arbeitet sie zu Migration, Umbrüchen der Arbeitswelt, und sozialen Marginalisierungsprozessen aus der Perspektive der Betroffenen.


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