Literatur · Klassik

Birgit Minichmayr & Bartolomey/Zeilinger


Elfriede Jelinek, "Die Erlkönigin" aus "Macht nichts. Eine kleine Trilogie des Todes", 1999
Franz Schubert, Lieder und Balladen in der Fassung für Violoncello und Klavier

Die Protagonistin von Elfriede Jelineks Stück "Burgtheater" (uraufgeführt 1985), die österreichische Schauspielerlegende Paula Wessely, ist tot. Eigentlich. Ihr Sarg wird einer alten Sitte nach dreimal um das Burgtheater getragen - aber die Diva ist selbst im schaukelnden Sarg nicht zum Schweigen zu bringen und spricht in ihrem großen Monolog "Erlkönigin" den Epilog zum Bühnenstück "Burgtheater".

Die berühmte Schauspielerin sitzt in ihrem Sarg, geifert und schimpft und denkt nicht daran, ihre Verstrickung in die nationalsozialistische Propagandaindustrie auch nur ein bisschen differenziert zu betrachten - sie entlarvt dabei aber längst nicht nur sich selbst sondern in gleichem Maße das nach Identifikation hungernde Publikum, das die Produkte der nämlichen Industrie dankbar annahm. Es geht um die Macht, die diese Schauspielerin erfahren durfte und die sie, wie Jelinek im Nachwort schreibt, "folgen- und konsequenzlos, immer weiter und immer weiter über ihr Publikum ausüben konnte, auch als gar kein Krieg mehr war."

"Erlkönigin" ist neben "Der Tod und das Mädchen" und "Der Wanderer" Teil des 1999 erschienenen Dreiteilers "Macht nichts. Eine kleine Trilogie des Todes", der 2002 mit dem Mülheimer Dramatikerpreis ausgezeichnet wurde.

Elfriede Jelineks Leidenschaft für Franz Schubert begegnet man in ihrem Werk immer wieder. Von Schubert als Komponist und Genie im Abseits ausgehend reflektiert die Autorin über ihr eigenes Schaffen: es entsteht eine artifizielle sprachliche Komposition, in deren Sprache sich Elfriede Jelinek in gewohnter Manier kein Blatt vor den Mund nimmt. Dabei können die Musik Franz Schuberts mit ihrer melodischen Schönheit, Frische und Klangpracht und Jelineks natürlicher Fluss ihres durchkomponierten Gedankenspiels keineswegs als Gegensatz, sondern als gelungenes Zusammenspiel von Autorin und Komponist betrachtet werden.

Drei international erfolgreiche österreichische Künstler, die mit immer wieder neuen und auch mutigen Programmideen das Publikum überraschen und begeistern: Neben Birgit Minichmayr, umjubelt sowohl auf der Theaterbühne als auch beim internationalen Film, gestalten der Cellist Matthias Bartolomey und der Pianist Clemens Zeilinger mit Liedern und Balladen Franz Schuberts den Abend.

Birgit Minichmayr, Rezitation
Matthias Bartolomey, Violoncello
Clemens Zeilinger, Klavier


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