Literatur · Theater

Birgit Minichmayr: Thomas Bernhard - Alte Meister


Mit Burgschauspielerin Birgit Minichmayr.

Thomas Bernhard gab seinem 1985 erschienenen Roman „Alte Meister“ nicht ganz umsonst den Untertitel „Komödie“, verstand er es doch wie kaum ein anderer Literat, seine tiefe Abscheu über die ihn umgebende Welt köstlich skurril zum Ausdruck zu bringen - wobei einem das Lachen mitunter auch im Halse stecken bleibt.

Im Zentrum dieser tragikomischen Welt steht Reger, ein alternder Musikphilosoph, der zwanghaft jeden zweiten Tag im Kunsthistorischen Museum die „Alten Meister“ an den Wänden verhöhnt und dabei über Gott, die Welt, die Reinlichkeit auf den öffentlichen Toiletten Österreichs und den allumgreifenden Dilettantismus sinniert. Dabei ist „Alte Meister“ in jeder Hinsicht ein sehr persönliches Buch: Es ist als ein Requiem auf Bernhards Lebensmenschen zu verstehen, es ist der Ausbruch einer elementaren Verzweiflungsklage über den Zustand Österreichs und gleichermaßen eine große selbstironische Abrechnung mit der Kunst im Allgemeinen und dem Künstler im Speziellen.

Burgschauspielerin Birgit Minichmayr unternimmt einen grotesk-humorvollen Streifzug durch den Bordone-Saal des Kunsthistorischen Museums, wo Reger auf „seiner“ Bank sitzend vor Tintorettos „Weißbärtigem Mann“ tagein tagaus vor sich hin grantelt, dass es eine wahre Freude ist.

„Ich hasse die Menschen, aber sie sind gleichzeitig mein einziger Lebenszweck.“


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