Vortrag

Bibelstreit und Bußvorbild: Hieronymus im Zeitalter der Reformation


Ausgehend vom Meisterwerk „Hl. Hieronymus in der Einöde“, verortet die Ausstellung erstmals den Naturmaler Cranach im Spannungsfeld seiner Epoche. Naturwissenschaft und Symbolik gehen Hand in Hand und beziehen eine verblüffende Stellung zu Streitfragen des Reformationszeitalters.

Der heilige Hieronymus bleibt durch seine lateinische Bibelübersetzung, die „Vulgata“, auch für die protestantischen Konfessionen von Bedeutung. Die „Vulgata“ war auch der Referenzpunkt für Martin Luthers Übersetzung der Bibel in die deutsche Sprache.

Die Ikonografie des hl. Hieronymus zeigt ihn als Kirchenvater und Kardinal, als Gelehrten „im Gehäuse“ und als Eremit in einer Bußlandschaft. Lucas Cranach d. Ä. fertigte zahlreiche Hieronymus-Darstellungen an, die unterschiedlich interpretiert wurden. Beschränkt sich die Beliebtheit der Hieronymus-Motive auf seine Rezeption als Vorläufer der Lehre Luthers bzw. als Bußvorbild für die im 16. Jahrhundert angestrebte Frömmigkeit? In einem offenen Gespräch im Rahmen der Ausstellung „Cranach natürlich. Hieronymus in der Wildnis“ thematisieren die Kunsthistorikerin Rosanna Dematté und der Theologe Jozef Niewiadomski die Wahrnehmung des hl. Hieronymus im Zeitalter der Reformation.

Zur Ausstellung
Cranach d. Ä. (1472–1553), neben Dürer einer der bedeutendsten Maler seiner Zeit, hat sich wiederholt mit einem Thema beschäftigt: Hieronymus in der Wüste. Doch diese „Wüste“ ist ein erstaunlicher Ort. Cranach verwandelt sie in eine saftige Waldlandschaft, bevölkert von höchst realistischen Tieren und wunderlichen Fabelwesen. Ausgehend vom Meisterwerk „Hl. Hieronymus in der Einöde“, verortet die Ausstellung erstmals den Naturmaler Cranach im Spannungsfeld seiner Epoche. Naturwissenschaft und Symbolik gehen Hand in Hand und beziehen eine verblüffende Stellung zu Streitfragen des Reformationszeitalters.


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