Theater

Betrunkene


Vierzehn Gestalten torkeln durch die Nacht. Betrunkene sind es, die je nach Anlass den König Alkohol zum Feiern, Trauern, Vergessen oder Gedenken gebraucht haben.

In verschiedenen Situationen treffen sie aufeinander, und es treffen auch jene aufeinander, die sich nüchtern nicht begegnet wären, sich nichts zu sagen gehabt hätten, oder die sich unter normalen Umständen nichts gesagt hätten. Wir begegnen Ehepaaren und Junggesellen, einer Prostituierten, dem Direktor eines Filmfestivals, Bankern, Managern, Gutverdienenden – es sind nicht die Verlierer der Gesellschaft, die hier schwanken, sondern die Gewinner, die Bestimmer, die Entscheider, die Stützen der Gesellschaft. Bei allen hat der Alkohol vorübergehend die Kontrolle übernommen, lockert die Zungen, löst Geständnisse aus, macht den Weg frei zu umfassender Ehrlichkeit. Und zeigt den schutzlosen, liebesbedürftigen, verletzlichen Menschen in seiner ganzen tragikomischen Lächerlichkeit.

Dass das Stück aus der Feder eines Russen stammt, verwundert nicht, sagt man diesem Volk doch eine besonders große Begabung zu alkoholbasierter tieferer Erkenntnis nach. Dass es mehr ist als eine heitere Posse, versteht sich von selbst: Schon im alten Griechenland war Dionysos, der Gott des Rausches, verantwortlich für die Entstehung dessen, was wir bis heute Theater nennen und das wie manches religiöse Ritual die Grenze zur Transzendenz zu überschreiten versucht.

Und so macht der Rausch die Grenze zwischen dem Selbst und dem Anderen durchlässig und vereint die unterschiedlichen Gestalten der Nacht in einer Feier der Liebe und der Erkenntnis des Göttlichen innerhalb und außerhalb ihrer selbst. So, dass am Ende der Spielzeit, die mit „Merlin“ und der Zerstörung einer alten Ordnung und dem gescheiterten Versuch einer neuen Gesellschaft begann, die Utopie einer Welt steht, in der alle – und sei es nur eine berauschte Nacht lang – Brüder und Schwestern und von Gott geliebte Kreaturen sind. Na sdarowje!

Bernadette Sonnenbichler, geboren 1982 in München, studierte Regie am Max Reinhardt Seminar in Wien und war anschließend am Schauspielhaus Graz als Regieassistentin engagiert, wo sie erste Regiearbeiten realisierte (u. a. „Leonce und Lena“, „Biedermann und die Brandstifter“, „Blind Date“, „Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs“). Regelmäßig inszeniert sie u. a. am Theater Aachen und an den Bühnen der Stadt Münster, daneben ist sie Hörspielregisseurin und tritt als Musikerin auf.

Iwan Wyrypajew

Aus dem Russischen von Stefan Schmidtke

BESETZUNG
REGIE
Bernadette Sonnenbichler
BÜHNE
Wolfgang Menardi
KOSTÜME
Tanja Kramberger
MUSIK
Cico Beck
LICHT
Viktor Fellegi
DRAMATURGIE
Elisabeth Geyer
CHOREOGRAPHIE
Martin Clausen
KARL / GABRIEL
Fredrik Jan Hofmann
MARK / MAX
Florian Köhler
LAURENZ / RUDOLF
Clemens Maria Riegler
MAGDA / LORE
Evamaria Salcher
MARTHA / ROSA
Tamara Semzov
GUSTAV / MATTHIAS
Werner Strenger
LAURA / LINDA
Silvana Veit


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