Vortrag

Besetzt! - 40 Jahre Kulturzentrum im Amerlinghaus


Diskussion- und Austausch
mit ehemaligen und gegenwärtigen Mitarbeiterinnen des Kulturzentrum im Amerlinghaus, Gruppenvertreterinnen, alten und jungen Aktivistinnen
Das Kultur- und Kommunikationszentrum im Amerlinghaus ist die am längsten bestehende Struktur, die aus der Wiener Besetzer
innenbewegung hervorgegangen ist.
Seit 40 Jahren eröffnet das Kulturzentrum im Amerlinghaus inkludierende Räume der sozialen und kulturellen Partizipation und Selbstbestimmung, in denen Diskurse der Solidarität, der Ent-Grenzungen und des kritischen Denkens gepflegt und eindeutig besetzte Bereiche wie „Kultur“, Politik“ und „Soziales“ in vielfältigen Aktivitäten aufgebrochen und mit weniger ausgrenzenden Bedeutungen gefüllt werden.
Als generationen-, kulturen- und szenenübergreifendes Projekt treffen einander Menschen aller Altersgruppen, Migrantinnen, Künsterinnen, politisch Aktive ebenso wie Obdach- und Erwerbsarbeitslose. Gemeinsam ist ihnen der Anspruch, ihr Schicksal in die eigenen Hände zu nehmen. Diese Struktur ermöglicht Austausch und Diskussion, baut Berührungsängste ab und bringt neue Impulse, verhindert Vereinzelung und wirkt in hohem Maße inklusiv - möglicherweise gegenwärtig sogar mehr noch als damals, indem das kleine aufmüpfige Zentrum – längst selbst als „ungeliebte Mieterin“ am schicken, gentrifizierten und durchkommerzialisierten Spittelberg von Verdrängung bedroht - hartnäckig zur Sichtbarkeit, zur Präsenz und zur Inklusion von Menschen beiträgt, die von aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen betroffen sind, die sie zunehmend in Armut, soziale Unsicherheit, Marginalisierung und Unsichtbarkeit drängen.
Es ist skandalös und anstrengend, dass jedes Jahr aufs neue Protestmaßnahmen nötig sind, um von der Gemeinde eine Unterstützung zumindest zur Deckung der Grundkosten zu erhalten. Doch für den Moment gilt: dass das Kulturzentrum immer noch existiert, ist das Ergebnis gemeinsamer Anstrengungen und solidarischer Kämpfe! Und tendentiell meinen wir, dass das Zentrum im Amerlinghaus nicht nur wegen seiner Geschichte, sondern auch wegen seiner gegenwärtigen Position als transkulturelles, offenes und kritisches Zentrum Teil der emanzipatorischen Kultur in Wien bleiben muss!
Allerdings müssen wir auch darüber nachdenken und diskutieren, wie wir mit den Disziplinierungs- und Zermürbungstaktiken seitens der Gemeinde, einer de facto ständig sinkenden Förderung und weiter steigenden Fixkosten zukünftig umgehen sollen und können.


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