Diverse Musik

Bertl Mütter - Walkabout


Ein Vortrag klingender Gedanken aus der Schule des Staunens!

«Schöpfungsmythen der Aborigines berichten von den legendären totemistischen Wesen, die einst in der Traumzeit über den Kontinent wanderten und singend alles benannten, was ihre Wege kreuzte – Vögel, Tiere, Pflanzen, Felsen, Wasserlöcher –, und so die Welt ins Dasein sangen.»
(Bruce Chatwin: Traumpfade – The Songlines (1987), aus dem Englischen von Anna Kamp, Frankfurt/M.: Fischer Taschenbuch Verlag, 1992. (S. 9)

Die Musik (zu der auch die gesprochene Sprache gehört) ist Bertl Mütters Werkzeug, um außermusikalische Phänomene zu untersuchen. Diesmal begibt er sich mit ihr auf einen explizit imaginären Weg, durch Raum und Zeit. Es erklingen (keine gewöhnlichen) Lieder, als akustische Landkarten eines wohlgeplanten – und deshalb ungeahnten – initiatorischen Wegs in den Grauzonen der Wahrnehmung, Pfade, die erst im Traumwandeln real werden – und die zugleich doch in der Tagwelt erfahrbare Auswirkungen haben. Dabei wird Flüchtiges, Unnützes hörbar. (Und was für einen Nutzen hat eigentlich die Musik?)
Auf seinen Wegen tritt Mütter als Subjekt zurück, wird als gewissermaßen «dritte Person» zum Kommentator einer Reise ins Unbekannte, Geahnte.
Traumpfade als Gehörgänge, Lebensknoten. Zu einem (welchem?) Goldenen Zeitalter?







Relevante Literaturzitate (Auswahl)

Es gibt Linguisten, die glauben, dass die erste Sprache Gesang war. Was aber ist Gesang? (Chatwin, S. 80)

Die Aborigines glauben, dass ein ungesungenes Land ein totes Land ist: denn wenn die Lieder vergessen sind, wird das Land selbst sterben. (Chatwin, S. 76)

Aborigines waren allgemein der Ansicht, dass alle ,Güter’ potentiell schädlich waren und sich gegen ihre Besitzer richteten, sofern diese nicht ständig in Bewegung waren. (Chatwin, S. 82)

Meine Forschungen aber erweiterte ich auf die Musik der Hunde. Die Wissenschaft war gewiß auch hier nicht untätig, die Wissenschaft von der Musik ist, wenn ich gut berichtet bin, vielleicht noch umfangreicher, als jene von der Nahrung und jedenfalls fester begründet. (…) Ein Grenzgebiet der beiden Wissenschaften lenkte allerdings schon damals meionen Verdacht auf sich. Es ist die Lehre von dem die Nahrung herabrufenden Gesang. (Franz Kafka: Forschungen eines Hundes [1922], in: Gesammelte Werke in zwölf Bänden. Band 8: Das 5 Ehepaar und andere Schriften aus dem Nachlaß (in der Fassung der Handschrift), Frankfurt/M.: Fischer Taschenbuch Verlag, 1994. (S. 91f)

Aurea prima sata est aetas, quae vindice nullo,

sponte sua, sine lege fidem rectumque colebat
 (…)

Als erstes entstand das goldene Geschlecht, das keinen Rächer kannte
und freiwillig, ohne Gesetz, Treue und Redlichkeit frönte. (Publius Ovidius Naso: Metamorphosen. Lateinisch/Deutsch. Übersetzt und herausgegeben von Michael 6 von Albrecht, Stuttgart: Reclam, 1994. (V 89–112)

Bertl Mütter (*1965), Mut- und Wunderhorn, Stimme, Konzept & Komposition

WALKABOUT (2016; aktualisierte Neubearbeitung der Version aus dem Jahre 2001)

Eintritt frei!
Aber persönliche Voranmeldung unbedingt erforderlich!


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