Kunstausstellung

Bernhard Hammer - The Upper Classroom


Eine theatrale Raum- und Audioinstallation zur Eliten-Bildung im Spätkapitalismus

Ein 8 Meter hoher Kubus aus schwerem Holz, eine Eingangstür, davor ein Aufnahmestudio. Wer die neue Arbeit des Raumkünstlers und Bühnenbildners Bernhard Hammer betreten möchte, muss erst sprechen. Einen von rund 10 Sätzen nämlich, auf die Hammer bei seiner Recherche an jenen Orten gestoßen ist, an denen die post-demokratischen Eliten des 21. Jahrhunderts ausgebildet werden: den Schulen. Genauer den Erziehungsmilieus der dereinst humanistischen, wertkonservativen oder christlichen Volks- oder Grundschulen, deren inzwischen entkanonisierte Ruinen heute von einer neuen Oberschicht genutzt werden, um vorwiegend eine Tugend zu erlernen – das Eigeninteresse.

Wie schon bei seiner Installation „Mir geht’s nicht gut“ während der Viennafair 2013 bedient sich Hammer einer Formensprache, die theatrale Raumkunst und Szenographie mit einer von BesucherInnen generierten Tonspur verbindet. Ihr Ein-, Auf- und Vorsprechen von found footage Aussagen aus dem rhetorischen Kosmos der Eliten-Bildung lässt den Resonanzraum einer privilegierten, spätkapitalistischen Welt erscheinen. Im Inneren des Containers befindet sich ein vermeintlich leerer Raum, in dem BesucherInnen verweilen – sitzend oder liegend – und ihre Stimme in einer Schleife anderer TeilnehmerInnen wieder finden. Die Serialität der Aussagen erinnert an Memnotechniken wie die Rezitation, das Gebet, aber auch an Techniken des Verhörs, während die Abweichung von Stimmen und Ausdruck den Vergleich in den Vordergrund rückt. Die Variation der Syntax provoziert die Semantik. Während die Sätze so langsam vor- und eindringen, beginnt eine andere Welt den Raum zu füllen, die kein Außerhalb mehr zulässt bis ein winziger Akteur sich einschaltet ...

„The Upper Classroom“ ist eine Audio- und Rauminstallation, eine ästhetische Spekulation auf jenen kleinen Punkt, der ein Außen eines alternativlosen Systems markieren könnte. Ein kleiner Messianismus in der großen Normativität des – angeblich – Faktischen, das doch stets nur fabriziert ist.

Konzept, Regie: Bernhard Hammer
Sound Design: Alexander Nefzger und David Hebenstreit
Licht: Gerhard Fischer
Sprachprogramm: Martin Moser

Eine Produktion von Bernhard Hammer in Koproduktion mit donaufestival, het Nationale Toneel Den Haag und Muffatwerk München.


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