Pop / Rock

Bela B & Smokestack Lightnin feat. Peta Devlin


Aus der Asche von "Bingo" (2006) und "Code B" (2009) entsteigt in nonchalanter Eindrücklichkeit das neue Solo-Projekt des Ärzte-Drummers Dirk Felsenheimer. Mit Smokestack Lightnin', Peta Devlin, Seatsniffer Walter Broes und Lynda Kay in weiteren Hauptrollen lässt Bela B auf "bye" seinen Sonnenhut tragenden Protagonisten von Nudie-Cohn-Anzügen und 1950er Lincoln-Limos träumen. Er, der Outlaw, spuckt aufs Redneck-Lager. Er war schon Punk, er war schon cool, bevor derlei Begrifflichkeiten ins verbale Alltagslogo Einzug hielten und verdreht wurden. Er kennt das literarische Werk von Kinky Friedman. Er versteht die Liebe instinktiv als letzte Bastion der individuellen Anarchie.

Aber aufgepasst, Rebellen, die ihr euch zum Twist und zum Line Dance versammelt habt! Sehnt Ihr euch in eurem selbstverliebten Antagonismus nicht nach moralischer Stütze? "bye" verteilt keine Gebote, aber wenn man unbedingt einen Ratschlag sucht, könnte man die Anleitung zum Idealismus finden - auch im Musikalischen. Selbstverständlich bedienen Bela B, Peta Devlin und Smokestack Lightnin' nicht die Unsitte, einen Chart-Hit im Rockabilly-Style zu spielen. Und wenn, dann nur als Parodie. Aber das ist eine B-Seiten-Geschichte...

Mit Smokestack Lightnin' hat Bela nun endlich eine richtige Band. Wie weiland bei Chuck Berry, der ortsansäßige Bands anheuerte, wenn er außerhalb der Staaten unterwegs war, entstand der Wunsch, mit Musikern zu arbeiten, die einen definierten Gruppen-Sound besitzen und als Band grooven. Smokestack Lightnin' können aber noch bedeutend mehr. Längst ist zwischen ihnen, Bela B und Peta Devlin von einer erlösenden musikalischen Dreiecksbeziehung die Rede, deren Regent mit amourösen Botschaften nicht hinterm Berg hält: "...ich hab' 'nem Transvestiten meinen Herpes geschenkt...". Subtiler geht's nur noch musikalisch. Psychedelische Zitate, Hammond-Sounds und die Zwölfsaitige mehrdimensionieren die musikalische Bildersprache.

Nie klang die Musik von Bela B, der nach seiner ausverkauften Club-Tour letzten Herbst nun mit seinem gesamten Tross erneut on the road ist, so herrlich frei und unbeschwert wie eine frische Liebe. Americana? Country? Rockabilly? Auf "bye" gibt's keine Grenzen. Diese Musik verlangt nach Weite.


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