Theater

Baal


Ali M. Abdullah dekonstruiert in seiner Inszenierung von Brechts „Baal“ das Konzept des amoralischen, aber umso genialeren Künstlers: Geschlechtertausch, Masken und die Live-Musik von Andreas Dauböck fungieren als Verfremdungseffekte.

Die Besetzung der Titelfigur Baal mit zwei Frauen - Constanze Passin und Michaela Bilgeri - ist einer der Inszenierungscoups.

„Baal“ sieht im WERK X nicht wie klassischer Brecht, sondern wie Maskentheater zwischen griechischer Antike und japanischem Nō-Theater aus. Ali M. Abdullah möchte in seiner Inszenierung die Grenzen zwischen den Individuen und den Geschlechtern auflösen: Die Titelfigur Baal wird von zwei Schauspielerinnen verkörpert (Constanze Passin und Michaela Bilgeri), die Nebenrollen werden vom männlichen Teil des Ensembles unabhängig von Geschlecht übernommen (Daniel Wagner, Christoph Griesser sowie Felix Krasser), Andreas Dauböck entwirft für Baal einen Verfremdungssoundtrack zwischen Nick Cave und Brechtlied und alle tragen dabei extra für die Produktion von Bühnenbildner Renato Uz angefertigte Masken.

Das Anliegen von Ali M. Abdullah ist es, das konstruierte, holzschnittartige und oppressive von Identitätskonzepten anhand des „Prinzips Baal“ herauszuarbeiten: Ein liebevoll gepflegtes und gerade im Theater auch heute noch gerne gelebtes Klischee ist das Konzept des amoralischen, dafür aber umso genialeren Künstlers, der jenseits jeder sozialen Ordnung steht und darum fortwährend mit der bürgerlichen Gesellschaft in Konflikt gerät. Die Figur des talentierten, jungen Autor Baals repräsentiert im gleichnamigen Frühwerk Bertolt Brechts dieses Konzept mit all seinen reaktionären Einschreibungen: Weiß-bürgerlich, sexistisch und heteronormativ.

„Baal“ von Bertolt Brecht entstand 1918 aus einer Gegenposition zum expressionistischen Drama. Namensvorbild war der antik-levantinische Fruchtbarkeitsgott Baal, dessen Bild der frühreife Stückeschreiber Brecht in seiner Augsburger Dachstube sich übers Bett gehängt hatte. Was die Frage aufwirft: Tappte Brecht selbst in die Falle des „Prinzips Baal“?


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