Theater

Auf der Suche nach dem sechsten Sinn. Ein Konrad-Bayer-Abend



In Konrad Bayers berühmtem Roman "der sechste sinn" führt der Kampf mit der Realität und ihrer Sprache den Protagonisten durch stets neue Höhen und Tiefen einer Liebesgeschichte, von Alltagskatastrophen und Grenzerfahrungen, bis er aus der immer absurder und brüchiger werdenden Welt verschwindet. Das Misstrauen des legendären Wiener Avantgardisten (1932-1964) gegenüber der Eindeutigkeit von Sprache und Wirklichkeit kommt in seinem letzten Werk zum Höhepunkt - und seine sprachliche Virtuosität ebenfalls. Der Abend "Auf der Suche nach dem sechsten Sinn" mischt unter Fragmente aus dem Roman auch Chansons und "konkrete Texte", die Bayers Spiel mit Sprache und Bedeutung auf die Spitze treiben.

Die Schauspielerin Johanna Orsini-Rosenberg und der Musiker und Maschinenkünstler Paul Skrepek sind nicht erst seit "Bentley fahren" ein eingespieltes Team. Diesmal tauchen sie unter der Regie von Elisabeth Gabriel als Bayers Alter Egos in die schillernde Welt des "sechsten sinns" ein, wechseln Rollen und Identitäten und werfen sich mit Stimme, Klang und seltsamem Instrumentarium in einen Strudel aus Sinn und Unsinn, Poesie und Groteske, bis von der Welt nur noch einzelne Buchstaben übrigbleiben.

"Die Höhepunkte: wie sich dieses Duo aus dem einfachen Wort Karl einen komplexen Karl macht, wie Skrepek in elegischem Ton 'Glaubst, i bin bled?' als eine Hymne Wiener Verdrossenheit singt. Und wenn seine Kollegin den Verzehr eines Apfelstrudels vorträgt und spielt, dann ist das ein täuschend poetischer Orgasmus. Lasst die Leute Kuchen essen und sich bei den Texten von Bayer zerstrudeln! Heimatlos zerlegt er die Sprache, bis sie als Witz voll tieferer Bedeutung erscheint." (Die Presse)

"Wer Bayer in das Theater hievt, wird zum Akteur eines Weltexperiments: im Maßstab des individuell Verkürzten und regional Verkleinerten. Texte wie der unvollendete Roman der sechste sinn treiben das Spiel der Sinngebung - bei gleichzeitig akutem Bedeutungsverlust - lustvoll auf die Spitze. Ein grandioser kleiner Abend macht noch einmal die Magie des Bayer'schen Denkens und Dichtens im Übermaß deutlich." (Der Standard)

Regie und Bühnenfassung: Elisabeth Gabriel
Es spielen Johanna Orsini-Rosenberg und Paul Skrepek
Texte: Konrad Bayer Komposition Musik: Paul Skrepek
Kostüme: Ingrid Leibezeder Video: Angela Christlieb
Eine Produktion von Pistoletta Productions in Kooperation mit TAG Wien